Frisch, Max



Der schweizerische Schriftsteller Max Frisch wurde am 15.5.1911 in Zürich geboren. Frisch, der abwechselnd in New York, Zürich und Berzona/Tessin lebt, stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Er studierte von 1931 bis 1933 vornehmlich Literaturwissenschaft, wandte sich aber nach dem Tod des Vaters 1933 dem Journalismus zu. Ein privater Mäzen ermöglichte ihm von 1936 an ein Architekturstudium, das Frisch 1941 mit dem Diplom abschloss. Bis 1954 übte er den Architektenberuf zunächst als Angestellter, dann als Leiter eines eigenen Büros aus, widmete sich danach aber ausschließlich seiner schriftstellerischen Arbeit.

Seine Popularität machte Frisch zeitweise zu einem stets präsenten, zu poetischen wie politischen Fragen Stellung beziehenden Zeitgenossen. Das viel übersetzte erzählerische und dramatische Werk Frischs ist von großer Bedeutung: Einerseits hielt es die Wirkung des Epischen Theaters Bertolt Brechts auf deutschen Bühnen lebendig, andererseits übte es erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des deutschsprachigen Roomans der Moderne aus.


Romane und Erzählungen:



Stiller (1954)

Bei der Einreise in die Schweiz wird Mr. White festgenommen, weil er für die Grenzpolizei mit dem verschwundenen Bildhauer Anatol Ludwig Stiller identisch ist. Frühere Freunde, sein Bruder, seine Frau Julika und der Staatsanwalt bestätigen in Aussagen und gemeinsamen Erinnerungen diesen Verdacht. Die Aufzeichnungen des Mr. White in der Untersuchungshaft aber wehren sich gegen diese Festlegung mit der Behauptung: "Ich bin nicht Stiller!" In immer neuen Erzählungen will er dieser Fixierung entgehen, weil ihm diese Identität fragwürdig geworden ist, und weil er sich die Freiheit der Wahl, ein anderer zu sein, erhalten will.




Homo faber. Ein Bericht (1957)

"Homo faber" wird der Schweizer Ingenieur Walter Faber beziehungsreich genannt, dem dieser erzählte Bericht in den Mund gelegt ist. Faber ist die vollkommene Verkörperung der technischen Existenz, die sich vor dem Zufall und dem Schicksal sicher glaubt. Diesen Faber, der das fünfzigste Lebensjahr schon überschritten hat, lässt Frisch systematisch mit der außertechnischen Welt, dem Irrationalen, zusammenstoßen. Faber bleibt davon zunächst unerschüttert: die Notlandung seines Flugzeugs in der Wüste, der Selbstmord seines ehemaligen Freundes im Dschungel von Mexiko - das bringt sein rational zementiertes Weltbild nicht ins Wanken. Ernsthaft wird es erst bedroht, als Faber durch die Ereignisse zu einem Rechenschaftsbericht über seine eigene Vergangenheit gezwungen wird. Ein junges Mädchen verliebt sich in ihn. Es stellt sich heraus, dass es seine eigene Tochter ist, von deren Existenz er nichts gewusst hat. Hineingezogen in das Stärkste, was das menschliche Leben an irrationalen Einbrüchen zu bieten hat, bricht sein frohgemuter Rationalismus zusammen. Faber sieht sein verfehltes Leben und nimmt den Tod in seine Welt auf.

-> 1991 verfilmt von Volker Schlöndorff




Mein Name sei Gantenbein (1964)

Der Verfasser von "Stiller" und "Homo faber" hat in seinem dritten großen Roman sein zentrales Thema, das Problem der Identität, die Spannung des Ichs zum anderen, nicht verlassen. Radikaler erfasst, entfaltet es sich heiterer, reicher als bisher. Der Komplexität des Themas entspricht die Form. Der Roman spiegelt die Verschiebung von Realität und Phantasie im Bannkreis einer Situation, die die erprobte Rolle eines Menschen in Frage stellt, sein Ich freilegt. Die Geschichten des Buches sind nicht Geschichten im üblichen Sinn, es sind Geschichten wie Kleider, die man probiert. Es sind Rollen, Lebensrollen, Lebensmuster, die die Wirklichkeit erraten haben.




Wilhelm Tell für die Schule (1971)




Montauk. Eine Erzählung (1975)

Montauk ist ein indianischer Name, er bezeichnet die nördliche Spitze von Long Island, hundertzehn Meilen von Manhattan entfernt; dort findet das Wochenende statt, das erzählt wird.
"... diese Erzählung übertrifft in mancherlei Hinsicht alles, was wir bisher von Frisch kannten. Es ist sein intimstes und zartestes, sein bescheidenstes und vielleicht eben deshalb sein originellstes Buch." (Marcel Reich-Ranicki)


Triptychon (1978)




Der Mensch erscheint im Holozän (1979)

Mit der phantastischen Wachheit des Einsamen registriert Herr Geiser die kleinen Anzeichen einer denkbaren Katastrophe. Das Tal ist durch Unwetter von der Umwelt abgeschnitten. Gefasst darauf, dass eines Tages der ganze Berg ins Rutschen kommt und das Dorf verschüttet für alle Zeit, liest Herr Geiser im Lexikon, in der Bibel, in Geschichtsbüchern und schreibt ab, was nicht vergessen werden soll.
Max Frisch erzählt die letzten Alltage eines Mannes, der begreift, dass er sich abhanden kommt und eingehen wird ins Unbewusstsein der Natur, in Erdgeschichte mit ihren Jahrmillionen. "Max Frisch hat einen grausam-faszinierenden, zwiespältigen Abgesang und Lobgesang auf ein Stück Leben geschrieben." (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)
Blaubart (1982)


Theaterstücke:



Biedermann und die Brandstifter (1958)

Frischs Stück ist die Geschichte des Bürgers Gottlieb Bidermann, der die Brandstifter in sein Haus lässt, um von ihnen - verzweifelte Hoffnung opportunistischer Bonhomie - verschont zu werden. Das Stück entlarvt präzise eine Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft.




Andorra (1961)


Autobiographisches:



Dienstbüchlein (1974)

Das "Dienstbüchlein" enthält Max Frischs zweite Erinnerung an seine Schweizer Militärzeit von 1939 bis 1943. "Ich bin ungern Soldat gewesen. Immerhin sind Erfahrungen nicht abzugeben mit der Uniform, Erfahrungen mit unserem Land, mit sich selbst." An diese Erfahrungen erinnert sich Max Frisch heute, an 650 Militärtage ohne Arrest. "Indem ich mich heute erinnere, wie es damals so war, sehe ich es natürlich nach meiner Denkart heute. Ich wundere mich, wieviel man hat erfahren können, ohne es zu sehen."
Die Tagebücher 1946-1949 und 1966-1971 (1982) "Frisch will mit seinem Tagebuch den lesern nicht nur seine eigenen Erfahrungen und Einsichten vermitteln. Er will sie veranlassen, über sich selbst, über ihre Einstellungen und ihre Verhaltensweisen Rechenschaft abzulegen." (Buchberater)
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