Disch, Thomas


Camp Concentration (1968/1971)


Als Thomas Disch diesen Roman veröffentlichte, erntete er Lob und Kritik gleichermaßen. Lob für die stilistische Brillanz, mit der dieses Werk geschrieben ist. Kriitik aber übte man an dem düstern Bild eines totalitären Amerika, das er zeichnete, eines Amerika, in dem an missliebigen Intellektuellen, Kriegsdienstverweigerern und Farbigen medizinische Experimente mit Syphilliserregern durchgeführt werden, um die kurz vor dem Zusammenbruch auftretende Intelligenzsteigerung zu studieren. So etwas sei allenfalls unter dem Nazi-Regime möglich gewesen.

Das war 1967. Am 28.9.1981 meldete DER SPIEGEL:
"Schwester Eunice Rivers fuhr meist im blankgeputzten dunklen Wagen mit Regierungsemblem vor. Ihre Patienten, schwarze, ausgemergelte Landarbeiter, stiegen gern ein ... Wer zu den Auserwählten gehörte, wurde von ihr regelmäßig zu den 'Regierungsdoktern', den weiße Ärzten der amerikanischen Gesundheitsbehörde im Tuskedge Hospital in Macon County, gefahren ... Was die Schwarzen nicht wussten: Sie waren Opfer des größten Menschenversuchs in den Vereinigten Staaten - unter der Regie des amerikanischen Gesundheitsdienstes ... Vierzig Jahre lang ... ließen die Regierungsärzte 400 schwerkranke Schwarze unbehandelt, um an ihnen ungestört die Spätfolgen der Syphillis studieren zu können."