Dostojewskij, Fjodor Michailowitsch (1821-1881)

Kein anderer Schriftsteller der russischen Literatur ist in der Welt so beachtet worden wie Fjodor M. Distojewskij (11.11.1821 - 9.2.1881). Der Grund liegt vor allem in seiner genialen Gabe, existentielle Fragen wie die nach der Stellung des Menschen zu Gott, nach dem Sinn des Leids, nach dem Verhältnis von Gut und Böse zwischen den Menschen und im Menschen in einer Erzählform darzustellen, die unterhaltsam in ständiger Spannung hält.

Dostojewskijs Romane sind in Deutschland im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen, seine Erzählungen im Piper-Verlag erschienen.




Der Doppelgänger (1846)

Weiße Nächte (1848)

Aufzeichnungen aus einem Totenhaus (1860, ersch. bis 1862)
Die Erniedrigten und Beleidigten (1861)

Aufzeichnungen aus dem Untergrund (1864)




Schuld und Sühne (1866)

"Schuld und Sühne" ist eine Kriminalgeschichte von atemberaubender Spannung. Doch geht der Roman weit über jeden Kriminal-Thriller hinaus und ist in der Gestaltung der in ihm aufgeworfenen psychologischen, ethischen und philosophischen Probleme der bestkomponierte Roman Dostojewskijs überhaupt.
Rodion Raskolnikow, ein verarmter Student, ist von der Idee besessen, dass es dem "großen" Menschen erlaubt sei, "lebensunwertes" Leben zu vernichten, um "lebenswertes" zu erhalten. Er begeht einen Doppelmord an einer alten Wucherin und deren halbirrer Schwester, um mit dem geraubten Geld sein Studium zu finanzieren. Doch der auf die Tat folgende psychische Zusammenbruch zeigt, dass der Verstand, der die Tat gelenkt und gefordert hatte, nicht dir einzige Schicht der menschlichen Persönlichkeit ist. In immer neuen leidvollen Erfahrungen erkennt Raskolnikow, dass der Weg aus seiner Vereinsamung nur über Geständnis und Strafe als Sühne gehen kann. Doch die eigentliche Rettung kommt durch die erlösende Kraft der Liebe, die er als Strafgefangener in Sibirien durch die ihm freiwillig gefolgte Prostituierte Sonja erfährt.
So wendet sich der Roman aus der psychologischen Zeichnung von Gut und Böse mit dem Erweckungsmotiv, das der Erweckung des Lazarus nachgebildet ist, ins Christlich-Religiöse, oder, wie Dostojewskij in einem Entwurf zu "Schuld und Sühne" formulierte: "Moralische Ideen entstehen aus religiösen Gefühlen. Logik kann sie niemals rechtfertigen."




Der Spieler (1867)




Der Idiot (1868)


"Die Hauptidee des Romans ist, einen vollkommen schönen Menschen darzustellen. Etwas Schwierigeres gibt es nicht auf der Welt, besonders heutzutage", schrieb Dostojewskij über den Helden seines großen Romans, Fürst Myschkin. Myschkin, seiner Bescheidenheit und Demut und vor allem seiner Krankheit wegen als "Idiot" bezeichnet, ist die Verkörperung des Heiligen in einer heillosen Welt, ein tragisch Scheiternder, der der Herzlosigkeit seiner Mitmenschen nicht gewachsen ist. Als Epileptiker - Dostojewskij selbst litt an dieser Krankheit - erscheint er in einem besonderen Licht, denn in der Sehweise russischer Frömmigkeit gilt diese Krankheit als ein Zeichen göttlicher Gnade.
Myschkin, letzter Spross eines alten Geschlechts kehrt aus einer Schweizer Heilanstalt nach Russland zurück und fällt in der intriganten Gesellschaft als weltfremder Idealist auf, er wird von allen Seiten angefeindet, verlacht und ausgenutzt. Seine Hilflosigkeit im wirklichen Leben, seine Unfähigkeit, Menschen richtig einzuschätzen, führen zu immer neuen Konflikten in seinem Verhältnis zu den anderen, eine komplizierte Liebesgesbeziehung endet in einer Katastrophe. Seelisch gebrochen und unheilbar geisteskrank wird er in die Schweizer Heilanstalt zurückgebracht.
"Die gesamte Bewegung des Buches gleicht einem ungeheuren Kratereinsturz", schrieb Walter Benjamin über die verschlungenen Handlungsstränge dieses gigantischen Roomans, die alle auf den einen Kern Myschkin konzentriert sind. Der ganze Roman lebt von der Spannung zwischen der Sphäre einer vollkommenen Welt und der heillosen Wirklichkeit, in der der vollkommen schöne Mensch untergehen muss. Dostojewskijs eindringliche Menschengestaltung, seine tiefgründige, schonungslose Analyse menschlichen Lebens machen ihn nicht nur zum Vorläufer des psychologischen Romans im 20. Jahrhundert, sie machen ihn auch erstaunlich modern.

Der ewige Gatte (1870)

Die Teufel (1871, ersch. bis 1872)

Tagebuch eines Schriftstellers (1873, ersch. bis 1881)




Der Jüngling (1875)

Die Sanfte (1876)

Der Traum eines lächerlichen Menschen (1877)

Die Brüder Karamasow (1879, ersch. bis 1880)



Erzählungen Dostojewskijs:



Sämtliche Erzählungen (1964)

Roman in neun Briefen (1845)
Herr Prochártschin. Eine Erzählung (1846)
Ein junges Weib (Die Wirtin). Eine Novelle (1847)
Polsúnkoff. Eine Erzählung (1847)
Ein schwaches Herz. Eine Novelle (1848)
Die fremde Frau und der Ehemann unter dem Bett. Eine ungewöhnliche Begebenheit (1848)
Ein ehrlicher Dieb. Aus den Aufzeichnungen eines Unbekannten (1848)
Weihnacht und Hochzeit. Aus den Aufzeichnungen eines Unbekannten (1848)
Ein kleiner Held. Eine Erzählung (1849)
Eine dumme Geschichte (1862)
Das Krokodil. Ein ungewöhnliches Ereignis (1865)
Bobok. Aufzeichnungen eines Unbekannten (1873)
Die Sanfte. Eine phantastische Erzählung (1876)
Traum eines lächerlichen Menschen. Eine phantastische Erzählung (1877)


Bücher über Dostojewskij:



Fjodor M. Dostojewskij