Boileau, Pierre

"Die beiden Franzosen Pierre Boileau und Thomas Narcejac sind für die Krimi-Gemeinde längst ein Begriff. Ihre temporeichen und milieugenau abgespulten Geschichten haben stets das Maß an Mysterium, das Mordkommissionen fürchten und Kenner schätzen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Bruder Judas (zusammen mit Thomas Narcejac) (1974/1977)

Paul Anduze, 35, ist ein fanatischer Anhänger des blutigen Mitrakkultes, den Professor Bukujian in Reims wieder ins Leben gerufen hat. Da Anduze von Beruf Buchhalter ist, hat er sich - unentgeltlich - der Finanzen der Sekte angenommen. Und das war höchste Zeit gewesen. Ashram, wie das alte Schloss genannt wird und wo die Zusammenkünfte der Sekte stattfinden, hatte schon lange nicht mehr alle Anhänger des Meisters aufnehmen können, so dass dieser den Bau eines Hotels in die Wege geleitet hatte - in schöner Ahnungslosigkeit, was die zu erwartenden Kosten anbelangt. Anduzes hat eine Zeitlang vor Sorgen nicht mehr ein noch aus gewusst, Ashram und die Sekte bereits vor dem finanziellen Ruin gesehen, den Meister der Reinen Lehre wömöglich gezwungen, sich mit den Widerwärtigkeiten des Alltags herumzuschlagen ... Und dann, aus heiterem Himmel, war die Rettung gekommen.
Eine Rettung, die sich bedauerlicherweise aus dem Unfalltod zweier Menschen ergab, dem Ashram aber immerhin eine beträchtliche Geldsumme garantierte. Das heißt, wenn sich Paul bisher um mangelnde Gelder gesorgt hatte, so ist es jetzt etwas anderes, das ihn nicht schlafen lässt: Die Sache mit dem geld hat nämlich einen Haken, von dem nur Anduze weiß. Doch es gibt vier Menschen, die nicht ahnen, dass sie Mitwisser eines Geheimnisses geworden sind ...


Gesichter des Schattens (zusammen mit Thomas Narcejac) (1953/1972)

Durch einen Unfall ist er blind geworden. Und jetzt ist der große Firmenchef hilflos wie ein Kind. Nach dem Krankenhausaufenthalt soll er sich in seinem Haus auf dem Land erholen. Doch es passieren merkwürdige Dinge, die er sich nicht erklären kann. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird er langsam verrückt, oder jemand inszeniert ein Komplott gegen ihn. Wer sind die "Gesichter des Schattens"?


Die Gleichung geht nicht auf (zusammen mit Thomas Narcejac) (!953/1983)

Zwei Menschen werden ermordet, ein dritter schwer verletzt. Der unbekannte Täter ist offensichtlich jedesmal derselbe. Aber, wer immer es ist: Er kann ebenso offensichtlich in keinem der drei Fälle zur Tatzeit am Tatort gewesen sein: "Die Gleichung geht nicht auf!"


Ein Heldenleben (zusammen mit Thomas Narcejac) (1976/1978)

"Man hält mich für einen Mörder und hat mir sogar einen Orden dafür verliehen. Ich selbst weiß, dass ich kein Morder bin, aber ich leide seit dreizehn Jahren Qualen, dass jemand meine Unschuld entdecken könnte. Angefangen hat die Geschichte im Jahre 1943 ..."


Ich bin ein anderer (zusammen mit Thomas Narcejac) (1955/1957)

Zwei französische Kriegsgefangene flüchten 1994 auf den Rangiergleisen von Lyon aus dem Güterwagen. Während der panischen Flucht vor der deutschen Militärkontrolle wird Bernard tödlich verletzt. Damit eröffnet sich für Gervais, seinen Freund, eine ungeahnte Chance. Er wird an die Stelle von Bernard treten. Mit seinen Ausweisen, Papier und seiner Vergangenheit ...
Er findet auch freundliche Aufnahme bei den Halbschwestern Hélène und Agnès. Hélène ist die Brieffreundin von Bernard gewesen; sie hat den wirklichen Bernard nie gesehen ... So schlüpft Gervais nun ganz in die Roolle seines alten Freundes. Und findet sich zwischen Hélène und Agnès hin und her gerissen, die eine schön und kühl, die andere schön und geheimnisvoll, mit medialen Fähigkeiten.
Als Bernards Schwester auftaucht, ahnt er, welches Spiel die seltsamen Schwestern spielen. Doch für ein Aussteigen ist es jetzt zu spät. Er sitzt in der Falle.
1957 wurde dieser Roman von Luis Saslavsky verfilmt mit Francois Périer, Micheline Presle und Jeanne Moreau in den Hauptrollen: "Einer starb zu früh" ('Les Louves').


Parfum für eine Selbstmörderin (zusammen mit Thomas Narcejac) (19667/1969)

Er hat sie vor dem Selbstmord gerettet. Jetzt will er ihr helfen, ein neues Leben zu beginnen. Als sie langsam Vertrauen zu ihm fasst, erfährt er, dass sie bereits mehrere Male um Haaresbreite dem Tod entronnen ist. Natürlich gibt es immer Unfälle - aber in dieser Häufung? Die Antwort muss in ihrer Vergangenheit liegen - "Parfum für eine Selbstmörderin".


Rache mit 15 (zusammen mit Thomas Narcejac) (1978/1979)

"Es sollte doch nur ein Spaß sein ..." Das waren Hervés letzte Worte. Es ist tragisch, wenn ein Sechzehnjähriger nach einem Autounfall sterben muss.
Lucien, ein Jahr jünger, ist der einzige, der etwas mit dem Satz anfangen kann. Aber das verbessert seine Lage nicht - im Gegenteil: Er ist ratlos. Hervé war die treibende Kraft bei dem Unternehmen, das Lucien von Anfang an für hellen Wahnsinn gehalten hatte. Die Enntführung einer unbeliebten, im Grunde nur ungeschickten jungen Lehrerin ist kein geeignetes Mittel, ihren Schikanen zu entgehen ...
Jetzt muss er allein mit der Situation fertig werden. Die Chatlier, genannt 'das Hürchen', ist in dem Wochenendhaus von Hervés verstorbenem Vater eingesperrt. Sie muss versorgt werden ... Gut; das schafft er mit seinem Moped. Aber wie soll es weitergehen? Er muss Élaine doch irgendwann freilassen ... Ja: Élaine; er hat plötzlich gemerkt, dass die verhasste Lehrerin eine Frau ist, jung, begehrenswert. Und er stellt sich vor, dass sie sozusagen ihm gehört, solange er sie nicht laufen lässt ...
Als er sich dann endlich aufrafft, um Élaine Chatelier freizulassen, erlebt er den Schock seines Lebens. Und dann geht alles schief.


Tote leben nicht allein (zusammen mit Thomas Narcejac) (1975/1977)

Der geistig etwas verwirrte Onkel hält Marylène für ihre tödlich verunglückte Schwester Simone. Warum soll sie ihm nicht den Gefallen tun und in die Rolle von Simone schlüpfen? Schließlich geht es um eine nicht beträchtliche Erbschaft. Zu spät begreift Marylène, in welche Falle sie geraten ist, denn "Tote leben nicht allein".