Irving, John



John Irving wurde am 2.3.1942 in Exeter (New Hampshire) geboren. Er ist ein trauriges Beispiel dafür, dass selbst gute Bücher mitunter nur mit großem Werbeaufwand zu Ruhm gelangen, und zugleich das seltene Beispiel "eines Autors von hoher literarischer Qualität, der auch beim Publikum ankommt" (Time).
Seine ersten drei Romane waren umfangreich und erfolglos. Mit dem vierten versuchte er es bei einem anderen Verlag und bekam vom Cheflektor die Nachricht, er habe das erste Kapitel gelesen und werde Irving Bescheid geben, sobald auch die Putzfrau es beendet habe. Sie mochte das Buch – und über drei Millionen Leser in den USA auch, allerdings erst nach einer riesigen Werbekampagne. Der Roman blieb dem Rummel nichts schuldig. Seither ist die Erwähnung des Namens John Irving die beste Reklame.
Mit 19 wusste der Sohn eines Professors für russische Geschichte genau, was er wollte: Ringen und Romane schreiben. "Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner." Was ihm mit 19 noch fehlte, war eine Idee. In Wien, wo er am Institute for European Studies studierte, fand er sie. Er saß im Zoo und in Kneipen, da es in seinem Zimmer zu kalt war, fuhr Motorrad, las "Die Blechtrommel" von Günter Grass, seinem heutigen Freund, und schrieb "Lasst die Bären los!". Bis zum Durchbruch mit "Garp" verkaufte er Erdnüsse bei Football-Spielen, war Kellner und trainierte an Universitäten Ringermannschaften und künftige Schriftsteller. Mit seinem älteren Sohn schloss Irving eine Hundertdollar-Wette ab, dass er ihn an seinem 40. Geburtstag noch auf die Matte legen könne. Gesiegt hat der Sohn, und Irving hat das Ringen aufgegeben. Seine Romane sind aber immer noch umwerfend lang – und für ihn gilt, was Chesterton über Dickens, Irvings Lieblingsautor, geschrieben hat: "Ein normaler Leser möchte wissen, wie das Buch endet, der Dickens-Leser wünscht, es möge niemals enden."


Garp und wie er die Welt sah (1978/1979)

Die Welt des Schriftstellers Garp ist bevölkert von Lehrern und Huren, Spießern und Randexistenzen, Verlagslektoren und Mördern, Transsexuellen und Sittenstrolchen, Männern, Frauen und Kindern - grotesk, brutal, banal, perfide. Ein Pandämonium: unsere Welt.
"Die Amerikaner haben uns in den letzten Jahren gezeigt, was für Bücher man heute schreiben könnte. Diese Geschichte ist so absurd, so komisch, so tränentreibend, so kühl und sachlich, so wirklich und genau, dass man das Buch nicht mehr los wird. Die Nächte sind wieder einmal zu kurz. Endlich ist man durch, macht hinten zu - und vorn gleich wieder auf." (Nürnberger Nachrichten)




Gottes Werk und Teufels Beitrag (1985/1988)

verfilmt als: "The Cider House Rules"
USA, 1999
Regie: Lasse Hallström
mit: Michael Caine, Tobey Maguire, Charlize Theron, Paul Rudd, Delroy Lindo




Das Hotel New Hampshire (1981/1982)

Eine gefühlvolle Familiengeschichte, in der motorradfahrende und feministische Bären, weiße Vergewaltiger und schwarze Rächer, ein Wiener Hotel voller Huren und Anarchisten, ein Familienhund mit Flatulenz im Endstadium, Arthur Schnitzler, Moby-Dick, der große Gatsby, Gewichtheber, Geschwisterliebe und Freud vorkommen - nicht der Freud, sondern Freud der Bärenführer.
"Irrsinig komisch, meisterhaft erzählt, bezaubernd; als ob die Brüder Grimm und die Marx Brothers beschlossen hätten, gemeinsam einen draufzumachen." (John Leonard / The New York Times)

verfilmt als: "Hotel New Hampshire"
USA/GB, 1984
Regie: Tony Richardson
mit: Jodie Foster, Beau Bridges, Nastassja Kinski, John Berry




Owen Meany (1989/1990)

Die bewegende Geschichte der einzigartigen Freundschaft zwischen Owen Meany und John Wheelwright: "Owen Meany" ist John Irvings Auseinandersetzung mit einem halben Jahrhundert amerikanischer Geschichte, mit der Frage nach dem Glauben in einer chaotischen Welt, ein großartiger Roman in der Tradition der besten angelsächsischen Erzähler.

verfilmt als: "Simon Birch"
USA/Kan, 1998
Regie: Mark Johnson
mit: Ian Michael Smith, Ashley Judd




Die vierte Hand (2001/2002)

Während einer Indienreportage wird einem New Yorker Journalisten vor laufender Kamera die linke Hand von einem hungrigen Zirkuslöwen aufgefressen; Millionen Fernsehzuschauer sind Zeugen des Unfalls. In Boston wartet ein verschrobener Handchirurg auf eine Gelegenheit, die erste amerikanische Handtransplantation vorzunehmen. Und eine junge Ehefrau in Wisconsin hat es sich in den Kopf gesetzt, dem einhändigen Reporter die linke Hand ihres Mannes zu geben - wenn dieser stirbt. Doch der Mann ist jung und kerngesund.




Die wilde Geschichte vom Wassertrinker (1972/1989)

Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte vom Glück und Unglück des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, des eigenwilligen fahrenden Ritters im Kampf der Geschlechter, der ausschließlich seiner Waffe die Schuld an allem gibt. Seine Beschwerden sind ernster zu nehmen als die von Portnoy - der musste nie so viel Wasser trinken.
"Ein früher, vielleicht Irvings bester Roman. So zwerchfellerschütternd schrill, so wüst, so zärtlich hat der Amerikaner seither nie wieder geschrieben." (Der Stern, Hamburg)