Miller, Walter M.

Walter M(ichael) Miller jr. wurde 1923 in New Smyrna Beach in Florida geboren, studierte Ingenieur und war Flieger der U.S. Air Force im Zweiten Weltkrieg. Er flog als Bomberpilot zahlreiche Einsätze im Mittelmeergebiet, u.a. gegen das von Deutschen lange gehaltene Kloster von Monte Cassino. Sein Besuch dieses zerstörten Klosters nach dem Krieg wurde zu einem entscheidenden Einschnitt in seinem Leben.
Neben dem Roman A Canticle for Leiboqitz, der ursprünglich (1955/56/57) in Form dreier Novellen erschien, schrieb er eine Reihe hervorragender Erzählungen (u.a. Conditionally Human, Crucifixus Etiam und The Darfstelller), veröffentlichte aber seit 1957 nichts mehr und lebte sehr zurückgezogen. Er entsprach jedoch dem Wunsch vieler Leser und seines Verlegers und schrieb eine Fortsetzung (oder eher einen Parallelroman, der in der gleichen Welt spielt) zu A Canticle for Leibowitz mit dem Titel Saint Leibowitz and the Wild Horse Woman (dt.: Ein Hohelied für Leibowitz). Man fand das Manuskript fast vollendet in seinem Nachlass, als er 1996 freiwillig aus dem Leben schied.
Obwohl Miller nur ein schmales Werk hinterlassen hat, ist er einer der bedeutendsten SF-Autoren der USA und hatte großen Einfluss auf die Generation der jüngeren amerikanischen Schriftsteller.


Lobgesang auf Leibowitz (1959/2000)

"Lobgesang auf Leibowitz", erschienen 1959, gilt als der Post-Doomsday-Roman schlechthin. Ein Atomkrieg hat die Welt verwüstet, und nur wenige Menschen haben die Katastrophe überlebt. Sie leben in kleinen Gemeinschaften in den Weiten des amerikanischen Kontinents, bedroht von marodierenden Banden und von genetisch veränderten Menschenabkömmlingen. Es sind (wieder) die Klöster, die in dunkler Zeit die kärglichen reste des kulturellen Erbes behüten und weiterreichen. Vieles, das aus der Zeit der technischen Hochzivilisation stammt, wird nicht mehr verstanden, wie die Hinterlassenschaft des Elektrikers Isaac Leibowitz, den das Schicksal in der Nähe eines Schutzbunkers ereilte. Seine Gebeine gelten als Reliquien, sein Werkzeug und seine Blaupausen werden als einzigartige Schätze verehrt. Das Kloster, das sie verwahrt, betreibt 600 Jahre nach dessen Ableben die Heiligsprechung seines angeblichen Ordensgründers. Doch rasch findet die dezimierte Menschheit in ihre alten Geleise zurück. Die Waffentechnik macht rasche Fortschritte, und allzubald treten wieder Machthaber auf den Plan, die keine Skrupel haben, sie einzusetzen.
Mit feinem Humor, scharfem Blick fürs Menschlich-Allzumenschliche und bitterer Ironie schildert der Autor den neuerlichen Aufstieg der Menschheit zu einer Hochzivilisation, die unfähig ist, die alten Fehler zu vermeiden und schließlich wieder das atomare Feuer entfacht.