Amery, Carl

Carl Amery wurde am 9. April 1922 in München geboren. Er studierte Neuphilologie sowie Literaturtheorie und -kritik in München und Washington, war Mitglied der Gruppe 47, von 1989 bis 1991 Präsident des bundesdeutschen PEN-Zentrums sowie Mitbegründer der E.F. Schumacher-Gesellschaft für politische Ökologie
Amery schrieb neben einigen Hörspielen zahlreiche Romane und wurde vor allen Dingen durch seine kulturkritischen Essays sowie als engagierter Ökologe bekannt. Jahrzehntelang hat er die politische Diskussion in der Bundesrepublik entscheidend mitgeprägt. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Tukan Preis, dem Bayerischen Friedenspreis und 1991 mit dem Literaturpreis der Stadt München.


Der Untergang der Stadt Passau (1975)

Als die Seuche erloschen ist, die höchstens einer von 50.000 Menschen überlebt hat, gibt es zwischen dem Nordkap und Timbuktu (und wahrscheinlich darüber hinaus) kaum noch ein Dutzend Männer, die sich darüber im klaren sind, dass ganz entscheidende Weichenstellungen vorgenommen werden müssen, um überhaupt zu überleben und die Zukunft der Menschheit zu sichern.
Man kann, wie der "Scheff" von Passau, versuchen, auf kleinstem Raum eine technologische Zivilisation weiterzuführen, eine Zivilisation aus der Konservendose sozusagen - solange der Vorrat reicht. Oder man kann sich, wie die Rosenheimer, auf eine bewusst reduzierte, der geringen Bevölkerungsdichte und wieder überhandnehmender Wildnis angepasste Lebensweise einer quasi frühmittelalterlichen Zivilisationsstufe zurückziehen. Oder man kann, wie die Reste der Ungarn es tun, ganz auf Sesshaftigkeit verzichten und wieder zum Nomaden werden.
Und wie diese Weichen auch gestellt werden, es ist damit garantiert, dass es auch in Zukunft nicht an Zündstoff für Konflikte fehlen wird.
Und als Kaplan Egid seine Chronik "Magnalia Dei Per Gentem Rosmeriorum", die "Großtaten Gottes durch das Volk der Rosmer", beginnt und vom Jahre 131 Post Pestilenziam (das ist Anno Domini 2112) berichtet, zeigt sich, dass die Geschichte der Menschheit - wie gehabt - bereits wieder in vollem Gange ist.
Von Walter M. Millers "Lobgesang auf Leibowitz" angeregte "Fingerübung" des bekannten SF-Autors.