Walser, Martin

Martin Walser, 1927 in Wasserburg (Bodensee) geboren, lebt heute in Nußdorf (Bodensee). 1957 erhielt er den Herrmann-Hesse-Preis, 1962 den Gerhart-Hauptmann-Preis und 1965b den Schiller-Gedächtnis-Förderpreis. 1981 wurde Martin Walser mit der Heine-Plakette der Düsseldorfer Heine-Gesellschaft und dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.


Aus dem Wortschatz unserer Kämpfe (1971)

"Martin Walser hat die Umgangssprache nach Sätzen abgesucht, in denen Gewalt angedroht oder Gewalttätigkeit mit sprachlichen Mitteln fortgesetzt wird, und seine Ausbeute zu Mono- und Dialogen arrangiert. Die so entstandenen Gardinenpredigten, Standpauken, Anschisse führen ein ziemlich beachtliches Arsenal von Redewendungen vor, mit dem Lehrer, Kompaniechefs, Abteilungsleiter, Väter oder Filmhelden Machtpositionen zu unterstreichen pflegen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Ein fliehendes Pferd. Novelle (1978)

"Ein fliehendes Pferd" ist die Geschichte einer Viereckskonstellation. Der Zufall führt zwei Ehepaare an einem Ferienort am Bodensee zusammen. Die Männer, Endvierziger, waren Schul- und Studienfreunde. Helmut Halm, der behäbige Lehrer, erwartet nichts mehr vom Leben. Klaus Buch hingegen jagt von einer Tätigkeit zur nächsten, bestimmt auch bald das Programm gemeinsam zu verbringender Ferientage. Voll Unlust beginnt Helmut, die gemeinsamen Erinnerungen anzuerkennen, und nur einmal bewundert er Klaus Buch ohne Vorbehalt: ein Pferd rast ihnen entgegen, der Bauer kann es nicht halten. Doch als es am Wisenrand stehenbleibt, nähert Buch sich ihm, springt auf, noch ehe das Pferd davongaloppieren kann. Aber die Kluft zwischen den Jugendfreunden beginnt wieder zu wachsen. Bis beide, eines Nachmittags, im Segelboot sitzen. Ein Unwetter kommt auf. Es wird ein Kampf zwischen dem das Leben auf jede Weise ausbeutenden Klaus Buch und dem dieses Leben seiner Flüchtigkeit wegen fliehenden Helmut Hahn.

"Martin Walsers Novelle Ein fliehendes Pferd halte ich für sein reifstes, sein schönstes Buch. Diese Geschichte zweier Ehepaare ist ein Glanzstück deutscher Prosa unserer Jahre." (Marcel Reich-Ranicki, FAZ)