Solschenyzin, Alexander

Der 1918 im nordlichen Kaukasus geborene Alexander Solschenyzin, Träger des Nobelpreises für Literatur 1970, diente in der Roten Armee, bis er im Februar 1945 festgenommen, unschuldig zu acht Jahren Gefängnis verurteilt und dann in ein Zwangsarbeiterlager eingeliefert wurde, aus dem man ihn erst 1956 entließ. Nach seiner Rehabilitierung 1957 unterrichtete er Mathematik und Physik an einer Oberschula in Rjasan. 1974 wurde er erneut verhaftet, ausgebürgert und in die Bundesrepublik abgeschoben. Solschenyzin lebte dann in den Vereinigten Staaten.

Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, Krebsstation, Der erste Kreis der Hölle, August Vierzehn und Der Archipel Gulag.


Der Archipel Gulag (1973, entst. seit 1958)

Solschenyzin hat hier die Geschichte von GULAG, dem unheimlichen Inselreich des Terrors und der Gewalt geschrieben: nach dem monumentalen Konzept, mit der dokumentarischen Sorgfalt eines modernen Historikers und mit der Sprachgewalt eines großen Epikers. Es ist sein persönlichstes und zugleich sein monumentalstes Werk, vielleicht sein Lebenswerk.

"All jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten, um dies zu erzählen."


Ein Tag im leben des Iwan Denissowitsch (1962/1963)

Eine literarische Sensation ohnegleichen bedeutete es für die Sowjetunion, als im November 1962 die Moskauer Zeitschrift "Nowy Mir" das Werk eines bis dahin völlig unbekannten Autors veröffentlichte: "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" von Alexander Solschenyzin.
Was jeder wusste, was aber niemand in der Sowjetunion auszusprechen wagte - hier war es mit schonungsloser Offenheit gesagt: dass unzählige Millionen Menschen in der Hölle von Stalins Zwangsarbeiterlagern leben, leiden und sterben mussten, dass ein großes Volk im Namen des "Sozialismus" terrorisiert und erniedrigt worden war.
Dieser eine aus den ungezählten Tagen, die der schlichte, unschuldig hinter Stacheldraht geratene Zimmermann Iwan Denissowitsch Schuchow im Sonderlager erlebt und erleidet, ist nicht nur Bericht, sondern auch Gleichnis. Und dieser eine Mann steht hier stellvertretend für all die Millionen, die unter diesem unmenschlichen System um Bewahrung ihrer letzten Menschenwürde kämpfen.
So gewinnt Solschenyzins Roman weit über das Politische hinaus allgemein menschliche Bedeutung. Er ist eine Parabel, in der ein Sträfling die Rolle des Jedermann spielt.