Rochefort, Christiane

Christiane Rochefort, 1917 in Paris geboren, begann ihre schriftstellerische Laufbahn 1945 zunächst als Journalistin. 1958 machte sie auf sich aufmerksam mit dem Buch Le repos du guerrier (dt.: Das Ruhekissen), dem weitere erfolgreiche Romane folgten.

Deutschsprachige Ausgaben der Werke Rocheforts sind bei Suhrkamp erschienen.




Kinder unserer Zeit (1961/1962)

Ein kleines Mädchen erzählt seine Geschichte, die Geschichte seiner Angst, seiner Unruhe, seines Verlangens nach Glück. Es wächst auf in einer Kinderreichen-Siedlung am Stadtrand von Paris, in einer uniformen, kleinbürgerlich geregelten, staatlich subventionierten Welt, in der alle zueinander zu passen scheinen und in der doch nichts zu diesem Kind passt. Es ist eingekreist von gerade erst herausgebildeten Konventionen, die sich aus demn muffigen Verlangen aller Beteiligten entwickelt haben, aber es strebt in eine eigene Freiheit, es ist ander unter lauter Gleichen. Es empört sich gegen den dumpfen Schematismus einer Lebensplanung, die nichts anderes kennt als das Denken an einen Standard der Eisschränke und Fernsehapparate in der Atmosphäre des Sozialen Wohnungsbaus, in der Kinder dazu dienen, die Teilhabe am Komfort der Neuzeit zu finanzieren. In diesem Milieu, in dem der Staat für alle denkt und sorgt und in dem alle sich damit abgefunden haben, dass ihnen die eigene Verantwortung erspart bleibt, gibt es nur dieses eine kleine Mädchen, das sein leben als eigene Aufgabe zu begreifen versucht und selbst seines Glückes Schmied sein möchte, und schließlich doch nur das Glück zustandebringt, das alle anderen auch haben, das vorfabrizierte Glück.


Eine Rose für Morrison (1966/1967)

Eine Rose für Morrison - das heißt nichts anderes als eine Huldigung für Norman Morrison, der sich aus Protest gegen den Krieg in Vietnam vor dem Pentagon in Washington verbrannte. Nicht mit Morrison selbst hat das Buch zu tun, sondern mit dem, wogegen er protestierte. Das Land ist kein bestimmtes, aber es trägt Züge von Frankreich, daneben auch amerikanische und durchaus auch deutsche. Es handelt vom Aufstand der Jugend gegen eine Welt, die das Falsche, das Gemeine, das Verbrecherische von ihr verlangt. Die von der Macht Ausgeschlossenen, von ihr Vergewaltigten empören sich gegen die etablierten Mächte, entmachten sie durch Denken.

"Christiane Rocheforts Kritik trifft, wie immer, den Nagel haarscharf auf den Kopf." (Hessischer Rundfunk)




Zum Glück gehts dem Sommer entgegen (1975/1977)

Christiane Rochefort erzählt in diesem Roman vom Auszug der Kinder aus der Welt der Erwachsenen. Ohne Absprache und ohne erkennbaren Anlass verlassen einzelne oder kleine Gruppen Elternhäuser und Schulen. Sie gehen ohne Gepäck und Wegzehrung, Kinder eines heutigen Loth, ohne Blick zurück auf Sodom und Gomorrha. Im Gefühl, ihr Leben retten zu müssen, wandern sie nach Süden, dem Meer zu. Sie wählen keine Führer, kennen keine Hierarchien; um nicht aufzufallen, werden sie nur kurze Zeit zu Weggefährten. Motivation und Ziel aber sind bei allen dieselben, und alle brechen Tabus und entdecken neue Freiheitsdimensionen. Auf Erwachsenenart versuchen Familien und Behörden, die Geschehnisse zunächst zu bagatellisieren, und, als dies nicht mehr möglich ist, die Flüchtigen einzufangen. Aber die Helfer sind zahlreich.
Was die Kinder wollen, ist nicht romantisch. Die Welt ihres "Traums" ist eindeutig und realisierbar. Sie bauen sich Hütten, sie leben von ihrer Hände Arbeit, vom Anbau, sie kleiden sich in die Wolle ihrer Schafe. Sie sind braun und gesund, von übermenschlicher - oder wahrhaft menschlicher - Schönheit.

"Statt anzuklagen, bildet Christiane Rochefort die verschütteten Sehnsüchte der Eltern in den Kindern ab und benennt als eine Quelle des Generationenkonflikts den Versuch, Kinder auf die eigenen Lebenshaltungen einzuschwören, ohne diese Bemühung durch ein ähnlich großes Interesse für die Weltanschauung der Kinder zu entgelten." (Günter Engelhardt, Deutsche Zeitung)
"'Zum Glück gehts dem Sommer entgegen' ist eine Warnung an die Erwachsenen, an Eltern, Lehrer und Erzieher, ihre Kinder ernst zu nehmen und es niemals bei erzieherischer Routine bewenden zu lassen." (Franz Rappmannsberger)