Meckel, Christoph

Christoph Meckel, geboren 1935 in Berlin, studierte Malerei und Grafik in Freiburg und München. Er lebte als Lyriker, Erzähler und Zeichner in Berlin, München, Paris, Rom, Südbaden und Frankreich, in den USA, in Mexiko und Afrika. Er bekam zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bremer Literaturpreis 1981.


Romane:

Bockshorn (1973)

"Sauly war zehn und Mick knapp vierzehn Jahre alt. Sie trieben sich in Baan herum, übernachteten auf Baustellen und bewohnten gelegentlich ein leeres Haus, das zum Abbruch bereitstand. Außer einem Matchsack besaßen sie nichts." Ein Zufall beendet ihr unbekümmertes Leben: Sie begegnen einem Herrn Landolfi, der behauptet, er habe einem von ihnen den Schutzengel weggenommen und weiterverkauft. Sauly glaubt es, und weil er es glaubt, scheint er ihn tatsächlich verloren zu haben. Als Tippelbrüder, Mundräuber und Gelegenheitsarbeiter schlagen sich die beiden ein paar Monate lang durch Städte und Landschaften - auf der Suche nach einem gewissen Paul Miller und dem verlorenen Schutzengel.
"Selber schuld, wer sich auf die Welt des Christoph Meckel einlässt, weil er dort eingefangen wird von einer großen Erzähler-Begabung, die abseits des Literatur-Betriebs liegt, die in dieser weggeworfenen und so voller Entdeckungen stehenden Sprache der kleinen Jungen in Labyrinthe führt, wo es melancholisch und lustig zugleich ist und wo wir unversehens anfangen, selbst nach dem Schutzengel zu suchen." (Rheinischer Merkur)




Licht (1978)

"Liebe, Hoffnung, Vertrauen - das waren Wörter, mit denen wir spielten ..." Aber das Auffinden eines nie abgeschickten Liebesbriefes an einen anderen Mann im Laub der Terrasse, mit dem diese erste größere Prosaarbeit Christoph Meckels nach dem Roman "Bockshorn" beginnt, bricht in das absolut erscheinende Glück der Liebenden Gil und Dole ein und führt zu Entfremdung und Trennung. Doch diese Geschichte eines Abschieds, der mit dem Unfalltod der Geliebten unwiderruflich endet, ist eigentlich vor allem die Geschichte einer Leidenschaft, in der Beruf und Alltag keinen Platz haben. In der Erinnerung des Ich-Erzählers ziehen die glücklichen Augenblicke vorüber - die Ferien im Süden, die langen Nächte und die nicht endenwollenden Morgenstunden, die Spaziergänge, das Herumlungern auf der Terrasse, in den Cafés an der Küstenstraße, in den rauchigen Kneipen. Er spürt ihren nackten Körper, ihr regennasses Gesicht, die Düfte der Jahreszeiten in der Wiederkehr von Warten und Dasein.
Der Lyriker Christoph Meckel erzählt seine Liebesgeschichte, als wären der Traum Wirklichkeit und die Wirklichkeit Traum - eine poetische Verzauberung.
"Meckel war nie besser als in diesem gegen alle Vernunft konzipierten Buch." (Martin Gregor-Dellin)




Ein unbekannter Mensch


Erzählungen:

Tunifers Erinnerungen und andere Erzählungen (1980)

Inhalt:
Kranich
Gesprächsstoff
Gullivers Tod
Heinrich, der Verunglückte
Der Zünd
Die Krähe
Der Löwe
Die Geschichte des Negers
Eine Erzählung
Tunifers Erinnerungen
Ein rote Faden. Gesammelte Erzählungen


Autobiographisches:

Suchbild. Über meinen Vater (1980)

"Aus der Vielfalt der literarischen Kindheitserinnerungen und Annäherungsversuche an die Vätergeneration ragt Meckels 'Suchbild' sprachlich heraus. Meckels Formulierungen sind sensibel, poetisch, genau, zugleich aber hart und in ihrer Schärfe unerbittlich." (aus der Begründung der Jury, die Christoph Meckel den Bremer Literaturpreis 1981 zusprach)

"Meckel beschreibt freilich kein exotisches Ungeheuer, sondern den Durchschnittstyp einer Generation und einer Klasse, die sich dem Adel des Geistes und der kultivierten Manieren zurechnete und die Verbrechen, die sie schweigend deckte, ganz selbstverständlich für geboten und anständig hielt." (Der Spiegel)