Martin, Hansjörg

Hansjörg Martin ist 1920 in Leipzig geboren. Seine wechselvolle Biographie hat ihm viel Rohmaterial für die Milieubeschreibungen in seinen Büchern geliefert; die Kriegsjahre bei der Infanterie, danach seine Arbeit als Maler, Grafiker, Schaufensterdekorateur, Bühnenbildner, Lehrer, Werbeberater, Zirkusclown, Redakteur und Dramaturg. Seiit 1963 hat er nur noch einen Beruf: er ist freier Schriftsteller. Er hat in den letzten 22 Jahren neben fünf Kurzgeschichtenbändchen 24 Kriminalromane geschrieben, die alle in der Reihe der rororo thriller veröffentlicht wurden. Nach vielen sind Filme und Fernsehspiele entstanden. Übersetzungen erschienen in den USA und zahlreichen europäischen Ländern.


Einer fehlt beim Kurkonzert (1966)

Wenn die biedere Inhaberin einer Nordeeinsel-Familienpension zwischen Frühstück und Mittagessen in einem ihrer Fremdenzimmer einen erstochenen Playboy findet, kann man keine sehr klare Lagemeldung von ihr erwarten. Dabei hat sie Glück: Herr Klipp, der sich als "Fachlehrer" vorgestelllt hat, ist von Beruf Kriminalbeamter. Leo Klipp wiederum hat Pech - die zuständigen Polizeidienststellen sitzen auf dem Festland und können erst am späten Abend eintreffen; so muss er sich plötzlich in seinem Urlaub mit sieben Verdächtigen beschäftigen - nein, es sind nur sechs; einem sehr netten Mädchen kann er selber ein Alibi für die Tatzeit ausstellen, wenn auch ein Alibi sehr persönlicher Natur ...


Gefährliche Neugier (1990)

Mord im Milieu der kleinen Wanderbühne, in deren Ensemble einer den anderen kennt wie seine Westentasche? Mord in der Kleinstadt, wo jeder von jedem alles weiß? Der Bühnenbildner Jost Ziball kann sich zwar nicht vorstellen, wer etwas gegen Hannes Pohl, den begabten und beliebten Schauspieler, gehabt haben sollte, aber die Aufklärung des Verbrechens wird unter diesen Umständen sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.
Indessen stelt sich heraus, dass Menschen einander eben doch nicht immer so gut kennen, wie sie glauben, und allem Anschein nach kommt die Polizei nicht recht weiter. Das könnte Ziball egal sein - wenn er nicht den Zettel mit der anonymen Drohung und der Telefonnummer gefunden hätte. Wenn er nicht selbst etwas von Polizeiarbeit verstünde. Wenn nicht der Tote sein Freund gewesen wäre ... Ziball will eigentlich gar nicht, aber plötzlich ertappt er sich dabei, wie er auf eigene Faust Ermittlungen anstellt. Ziball ist neugierig geworden. Aber es ist eine gefährliche Neugier.


Kein Schnaps für Tamara (1965)

Es ist auch schwer einzusehen, warum sich ein junger Werbekaufmann völlig unaufgefordert in die Ermittlungen einschaltet, die der Tod einer Unbekannten auslöst. Er will auch schon aufgeben, aber dann sieht es auf einmal aus wie Selbstmord. Er wird neugierig, fragt, stöbert - und schöpft Verdacht: Ist die junge Ausländerin etwa ermordet worden? Dann wäre die Aufklärung endgültig allein Sache der Polizei. Aber da kann er schon nicht mehr zurück, weil er sich zu weit vorgewagt hat.


Meine schöne Mörderin (1969)

Ladicke ist tot: Jemand hat ihm eine Papierschere in den Hals gestoßen. Und jetzt stellt sich heraus, dass er nicht nur ein großer Weiberheld, sondern auch ein kleiner Heiratsschwindler gewesen ist. Im Nebenberuf, sozusagen - weil seine Passionen zu kostspielig waren für das Einkommen eines Warenhaus-Abteilungsleiters. Und jetzt liegt er also tot in seinem Büro.
Oberkommissar Leo Klipp von der Hamburger Kripo hat auch bald eine Verdächtige: Franziska Jansen, die Suubstitutin in der Spielwarenabteilung. Aber die ist unmittelbar nach dem Mord nach Jugoslawien gereist - in Urlaub.
Oberkommissar Klipp fährt auch nach Jugoslawien. Als Urlauber getarnt, wohnt er im gleichen Hotel. Er flirtet mit der Verdächtigen, um sie unauffällig überwachen zu können. Er entdeckt manches, was für ihre Schuld spricht. Er sammelt emsig Beweismaterial. Und am Ende verliebt er sich in seine schöne Mörderin ....


Das Zittern der Tenöre (1981)

Sie zittern buchstäblich, die Tenöre des Gesangsvereins Euterpe, denn die Sangesbrüder sind überaltert und haben Probleme mit dem Nachwuchs. Aber seit sie wissen, dass auf Otto Fintzels Dachboden ein eingestaubter alter Koffer liegt, zittern sie auch im übertragenen Sinn: vor Angst.
Fintzel, senil und selten nüchtern, hat keine Ahnung, was er anrichtet, als er bei der Chorprobe von dem Zufallsfund erzählt. Sein Gedächtnis ist nicht mehr das allerbeste - dumm, dass er sich noch ganz genau daran erinnert, wann er den Koffer auf dem Dachboden versteckt hat: 1945, beim Einmarsch der Alliierten, vollgestopft mit Papieren aus dem Rathausarchiv ...
Sehr fatal für die Herren Tenöre, für Mühlmann, den Wirt, Hanebutt, den Apotheker, und Bundschuh, den Oberstudienrat. Sie hätten so gern für immer und ewig vergessen, was sie damals getan haben. Wenn es jetzt herauskommt, sind sie allesamt ruiniert. Jeder für sich kommt zu dem Schluss: Der Koffer muss weg, ehe der Inhalt stadtbekannt wird.
Und dann liegt eine Leiche in Fentzels Diele -- und Kommissar Greve strapaziert auf der Suche nach einem Mörder und einem Dieb seine Stimmbänder ...
Diese bitterböse, makabre Krimikomödie ist von Hans Dieter Schwarze für die Reihe "Tatort" verfilmt worden.