Mann, Heinrich

Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 in Lübeck geboren. Nach einer Buchhandelslehre in Dresden und einem Volontariat im S. Fischer Verlag in Berlin lebte er zuerst in Italien, dann in München und Berlin. 1933 emigrierte er in die Teschechoslowakei, später nach Frankreich und 1940 in die USA. Er starb am 12. März 1950 in Santa Monica in Kalifornien.


Der Untertan (1918)

Heinrich Manns bekanntester, zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs abgeschlossener Roman Der Untertan erschien zum ersten Mal 1918 und hatte einen durchschlagenden Erfolg. Die Zeit war damals reif für dieses Buch, für diese "Bibel des Wilhelminischen Zeitalters". Überzeugender jedoch als der Erfolg von damals ist, dass das Buch nach Jahrzehnten die gleiche Aktualität besitzt, dass es heute noch als Diagnose Gültigkeit hat. Setzt man statt "Untertan" Opportunist, Mitläufer oder Konformist, sieht man von einem gewissen Zeitkostüm ab, so hätte der Roman ebensogut 1933, 1945 oder heute geschrieben werden können. Gleichgültig, wie man den Typ interpretiert, den Heinrich Mann hier zeichnet - unbezweifelbar bleibt, dass er in Diederich Heßling eine typisch deutsche Figur geschaffen hat: den Obrigkeitshörigen, den Unpolitischen ohne Mut und Zivilcourage. Darüber hinaus macht das Buch deutlich, mit welcher Meisterschaft Heinrich Mann zu erzählen versteht, bestechend in der psychologischen Beweisführung und ironisierenden Distanzierung. "Der Untertan" ist ein großer Roman und mehr noch: er zählt zu den bleibenden Erziehungsbüchern der deutschen Literatur.