Loacker, Norbert


Aipotu (1980)

Ein phantastisches Wasserfahrzeug, halb Bohrinsel, halb Schiff, ausgestattet mit modernstem Gerät, einer automatischen Steuerung und perfekten Service-Einrichtungen, durchpflügt die Weltmeere. An Bord befinden sich vier Männer und vier Frauen. Ein Modell gesellschaftlichen Zusammenlebens soll erprobt werden: Jeder kann tun und lassen, was er für richtig hält - "unter Respektierung des Wohlbefindens der anderen".
Doch das Experiment geht schief. Aggressionen brechen hervor. Es kommt zu Tätlichkeiten; ein Mord geschieht. Während die einen in Apathie und Verwahrlosung versinken, ergeben sich die anderen der Barbarei. Einer wirft sich zum "Führer" auf und terrorisiert die übrigen Passagiere im Namen einer "totalen Vernunft".
Die Fahrt steigert sich zur infernalischen Vision, während die Fähre die Insel Mora Mora ansteuert - ein Trümmerfeld jenes einst glänzenden, dann in sein grausames Gegenteil umgeschlagenen und längst untergegangenen Reiches "Utopia".

Aipotu - das umgekehrte "Utopia" - ist das erstaunliche und faszinierende Erstlingswerk Norber Loackers. Was in den sog. Gegenutopien, Aldous Huxleys Schöne neue Welt, George Orwells 1984 und William Goldings Herr der Fliegen, als negatives Gegenbild skizziert wurde - hier ist es konsequent zu Ende geführt.