Heym, Stefan




Stefan Heym (eig. Hellmuth Flieg) wurde am 10.4.1913 in Chemnitz geboren. Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns studierte Germanistik und Zeitungswissenschaft in Berlin, emigrierte 1933 in die Tschechoslowakei, dann in die USA, wurde dort Chefredakteur einer antifaschistischen Wochenzeitung und nahm ab 1943 als amerikanischer Offizier in der Abteilung für psychologische Kriegsführung an der Besetzung Deutschlands teil. 1953 verließ er die USA aus Protest gegen den Koreakrieg und die McCarthy-Politik und übersiedelte wie Bertolt Brecht, Anna Seghers und andere Exilautoren in die DDR.
Heym begann seine schriftstellerische Laufbaun als Lyriker und Dramatiker, wurde aber vor allem als engagierter Journalist und gesellschaftskritischer Romanautor begannt. Sein Werk versteht er als Beitrag zur sog. Diskussionsliteratur; er will den politischen Dialog beeinflussen und zum Widerspruch auffordern. Zentrales Thema ist der Kampf des einzelnen um das Recht auf Selbstbestimmung, der Konflikt zwischen Individuum und staatlicher Gewalt im deutschen Faschismus, im amerikanischen Kapitalismus und im "real existierenden" Sozialismus der DDR - dargestellt aus der Perspektive unentschlossener, meist von Zweifeln geplagter Sozialrevolutionäre.

Die wichtigsten Werke Heyms sind in Deutschland im Fischer-Verlag erschienen.




Der König David Bericht (1972)

Am Hofe des Königs Salomo tritt eine Kommission hochgestellter Beamter zusammen. Der Historiker Ethan aus Esrah soll Rechenschaft ablegen über seine Arbeit am König-David-Bericht. Wird er sich den Riten des Personenkultes beugen und David, der über seinen Tod hinaus verherrlicht werden muss, entsprechend preisen? Oder wird er die Wahrheit sagen, die er von Soldaten und Huren, von Davids Frauen und von Wahrsagerinnen erfahren hat?
Die Wahrheit: König David, der Erwählte Gottes, der über Leichen ging, um zur Macht zu gelangen, der Machtpolitiker, der kein Verbrechen scheute, der Mann der Leidenschaft, der Träumer, der zum Opfer seiner Ziele wurde. Wie immer Ethan sich entscheidet - das Netz des Geheimdienstes zieht sich um ihn zusammen. Der Tyrann Salomo verlangt seine Geliebte Lilith, der Polizeiminister sein Leben. Das Urteil Salomos aber ist wahrhaft salomonisch: Ethan, der die Wahrheit weiß und sie zu sagen versucht hat, soll nicht totgeschlagen, sondern totgeschwiegen werden ...