Genesis bis Offenbarung
Biblische Tiergeschichten in der Jungschar


Kurzbeschreibung
Neben einem kurzen Überblick über biblische Tiergeschichten und einer kleinen Konkordanz ausgewählter Tiertexte des Alten Testaments werden einige Anregungen und Ideen gegeben, wie biblische Tiergeschichten in der Jungschar zum Thema gemacht werden können.

Gruppengröße / Bedarf an Mitarbeitenden
Je nach Methode / 1-2

Zeitrahmen
Eine oder mehrere Jungscharstunden.

Material
Bibeln, Konkordanzen, Bibellexika – und weiteres Material je nach Methode.

Vorbereitungsaufwand
Je nach Methode.


Tiere in der Bibel

Es gibt wunderbare biblische Geschichten, in denen Tiere eine wichtige Rolle spielen!
Das beginnt mit den Schöpfungsgeschichten in Genesis 1,1 – 2,4a (Priesterschrift) und Genesis 2,4b-25 (Jahwist). Während der erste (jüngere) Bericht der sog. „Priesterschrift“ den Schwerpunkt auf die Ordnung der Natur legt, in die der Mensch ganz selbstverständlich eingeordnet ist und in der er zugleich eine besondere Rolle spielt (vgl. Genesis 1,20-31), beleuchtet der zweite das besondere Verhältnis des Menschen zu den Tieren, das die zwischenmenschliche Beziehung – vor allem zwischen Mann und Frau – nicht ersetzen kann (vgl. Genesis 2,18-25).
Weiter geht es mit der Geschichte von der Schlange im Garten Eden (Genesis 3,1-24) und natürlich mit Noah und den Tieren (Genesis 6-9). Tiere spielen eine Rolle bei den ägyptischen Plagen (Exodus 7-11) und bei der Wüstenwanderung (Numeri 11). Bekannt sind darüber hinaus der Esel Bileams (Numeri 22), die Füchse Simsons (Richter 15,1-8) und der Fisch aus der Jonageschichte (Jona 1-4). Tiere finden Erwähnung in den Psalmen (z.B. Psalm 104) und bei den Propheten (z.B. Jesaja 11).
Und auch im Neuen Testament kommen Tiere vor: Bei seiner Taufe sieht Jesus den Geist Gottes „wie eine Taube“ auf sich herabkommen (Matthäus 3,16). Die Vögel des Himmels stellt er seinen Zuhörern als Vorbilder vor Augen (Matthäus 6,25-26). Und bei seinem Einzug nach Jerusalem sitzt er (ganz bewusst!) auf einem Esel, nicht auf einem Pferd oder Kamel (Matthäus 21,1-10).
In die Erlösungshoffnung des Paulus ist die gesamte Schöpfung mit einbezogen (Römer 8,18-30). Und wenn das Tier aus dem Abgrund (Offenbarung 19,19-21) und der Teufel, „der Drache, die alte Schlange“ (Offenbarung 20,1-3), endgültig besiegt sind (Offenbarung 20,7-10), dann fängt mit einem neuen Himmel und einer neuen Erde (Offenbarung 21,1) – anders kann ich es mir nicht vorstellen! – auch ein neues Kapitel der Beziehung zwischen Mensch und nichtmenschlicher Natur an!

Kleine Konkordanz ausgewählter Tiertexte des Alten Testaments

1. Tiere in Schöpfungstexten:
1. Mose 1,20-31
Psalm 8,5-9
Psalm 104,10-26
Ijob 38,39 – 39,18; 40, 15-24

2. Tiere in Rechtstexten:
2. Mose 20,8-11
2. Mose 21,28-32
2. Mose 23,19b; 3. Mose 22,28; 5. Mose 22,6f
5. Mose 22,10; 25,4

3. Tiere in Opfer- und Ritualtexten:
3. Mose 1,1-9
3. Mose 11,1-23
5. Mose 12,13-19
5. Mose 15,19-23

4. Geschichten von Tieren:
1. Mose 8,6-12
4. Mose 22,22-35
1. Samuel 6,7-13
2. Samuel 12,1-10

5. Tiere in Vergleichen und Metaphern:
1. Mose 49,9.14f.17.21.27
Psalm 22,13-19; 102,6-8
Hoheslied 1,9-11; 2,8f
Daniel 7,1-8

6. Tiere als Instrumente Gottes:
2. Mose 10,12-20
3. Mose 26,21f
1. Könige 13,20-30; Jona 2,1
2. Könige 17,24f

7. Tiere als Träger numinoser Macht:
2. Mose 32,1-6
4. Mose 21,4-9
Jesaja 6,1-7
Jesaja 13,19-22; 34,14f

8. Bewunderung gegenüber dem Mitgeschöpf:
Jeremia 8,7
Ijob 12,7-11
Sprichwörter 6,6-11
Sprichwörter 30,24-28

9. Gemeinschaft und Differenz zwischen Mensch und Tier:
1. Mose 2,18-20
1. Mose 6,5-8; 7,1-5
Psalm 104,27-30
Kohelet 3,18-21

10. Göttlicher Kampf gegen dämonische Tiere:
Ijob 9,13f; 26,12
Psalm 74,12-17
Psalm 89,10-15
Jesaja 51,9-10a

11. Tiere im Gottesbund / unter Gottes Schutz:
1. Mose 9,8-17
Psalm 36,6-10
Hose 2,20; Ezechiel 34,25
Jona 3,3b-10

12. Eschatologischer Tierfriede
Jesaja 11,6-8
Jesaja 32,15-20
Jesaja 35,8-10
Jesaja 65,23-25


Biblische Tiergeschichten als Thema für die Jungschar

Natürlich kann man viele der in der Bibel vorkommenden Tiertexte (siehe oben: „Kleine Konkordanz ausgewählter Tiertexte des Alten Testaments“) auch zum Thema für die Jungschar machen.

Ausstellung
Warum sich nicht anhand einer Konkordanz oder eines Bibellexikons selber auf die Suche machen und einmal nachforschen, welche Tiere in der Bibel vorkommen, in welchen Zusammenhängen sie erwähnt werden und welche Rolle sie spielen? Vielleicht gestaltet ihr eine informative Ausstellung zum Thema?

Kreuzworträtsel
Oder ihr entwickelt ein Kreuzworträtsel: Bibelstellen müssen nachgeschlagen und die dort gefundenen Tiere in ein vorbereitetes Raster eingetragen werden (vgl. in:Religion 4/2000, Seite 30).

Tiere als Symbole
Manche Tiere haben in der Bibel eine symbolische Bedeutung (Taube, Schlange, Schaf etc.). Das können wir gemeinsam erarbeiten und miteinander darüber nachdenken, was diese (und andere) Tiersymbole heute bedeuten.

Die vier Evangelisten
Auch den vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) werden bestimmte Symbole zugeordnet. So deutet man die vier „Tiere“ aus Offenbarung 4,7 (Mensch, Löwe, Stier und Adler) von alters her als Symbole für die vier Evangelien:
  • Das Matthäus-Evangelium beginnt mit der Geburt Jesu (Geburt = Gott wird Mensch).
  • Das Markus-Evangelium beginnt mit dem Auftreten Johannes des Täufers in der Wüste (Wüste = Löwe, der König der Wüstentiere).
  • Das Lukas-Evangelium beginnt mit einer Szene im Tempel, wo regelmäßig Stiere geopfert wurden (daher der Stier als Symbol).
  • Und das Johannes-Evangelium beginnt mit einem Vorwort, in dem der Evangelist „wie mit Adleraugen“ das Geheimnis von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, durchschaut (daher der Adler als Symbol).
(Vgl. dazu: Codex Aureus Epternacensis, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Hs 156142 fol 2v, als Folie in: Tiere in der Bibel, in:Religion 4/2000.)

Zoo-Rallye
Aus dem erarbeiteten Wissen zum Thema „Tiere in der Bibel“ kann auch eine Zoo-Rallye entwickelt werden: Bei einem gemeinsamen Besuch im Tierpark werden dann die in der Bibel erwähnten Tiere aufgesucht und Fragen zu ihnen beantwortet. Manche Zoos bieten vorbereitete Rallyes dieser Art an!

Jungschargottesdienst zum Thema „Tiere“
Last but not least: Warum nicht mal einen Jungschargottesdienst zum Thema „Tiere“ gestalten? Ergebnisse der gemeinsamen Beschäftigung mit Tiertexten der Bibel und Aspekte einer biblischen „Tier-Ethik“ (s.o. den Grundsatzartikel zum Thema!) könnten hier einfließen.


Bücher zum Thema

Tiere in der Bibel und anderswo
  • Tiere in der Bibel. In:Religion – Unterrichtsmaterialien Sek. I, 4/2000. Bergmoser + Höller Verlag Aachen 2000.
  • Tierwelt der Bibel. Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart 1992.
  • Dietmar Grieser, Im Tiergarten der Weltliteratur. Auf den Spuren von Kater Murr, Biene Maja, Bambi, Möwe Jonathan und den anderen. Langen Müller München 1991.

Tiergeschichten
  • Rita Harenski (Hrsg.) / Christiane Pieper (Illustrationen), Von großen und kleinen Tieren. Die schönsten Geschichten der Weltliteratur. Arena Verlag Würzburg 2005. - Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben Tiere den Menschen inspiriert. Und nicht nur Kinder lieben Geschichten, die vom Leben unserer Mit-Geschöpfe erzählen. Hier sind einige der schönsten Tiergeschichten der Weltliteratur zusammengetragen: packende, ergreifende, spannende, überraschende, witzige, lehrreiche. Zum Beispiel von Äsop, La Fontaine, Rudyard Kipling, Konrad Lorenz, James Thurber, Siegfried Lenz, Alexander Solschenizyn, Bertolt Brecht, Elke Heidenreich, Axel Haacke und vielen anderen.
  • Rudolf Horn (Text) / Ingrid und Dieter Schubert (Illustrationen), Theophil Tschilp und das Geheimnis der Staublinge. Tiere erzählen die biblische Geschichte. R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1999. - Der Löwe öffnete wieder die Augen, blieb aber liegen. „Tschilp“, sagte er, „ich gebe dir einen guten Rat: Geh den Menschen aus dem Weg! Diese Staublinge sehen erbärmlich und schwach aus. Aber sie sind gefährlich.“ Simba zog die Nase kraus, als habe er einen unangenehmen Geruch wahrgenommen. „Hüte dich vor ihnen, Tschilp!“ Soll Tschilp auf den Rat des Löwen hören? Schließlich ist er noch ein kleiner Spatz. Aber so klein, wie seine Mutter meint, ist er längst nicht mehr und dumm erst recht nicht. In der Steppe kennt er sich jedenfalls aus. Und was soll schon einem passieren, der fliegen kann? Tschilp beschließt, dem Geheimnis der Staublinge nachzuspüren. Damit beginnt ein Abenteuer, das Tschilp bis an den Rand der Steppe führt und in dem er mehr als einmal all seinen Spatzenverstand und Mut zusammennehmen muss. „Theophil Tschilp und das Geheimnis der Staublinge“: die biblische Geschichte aus ungewöhnlicher Perspektive, voller Spannung und Humor erzählt.
  • Susanne Richter, Herr von Knabberstein und andere tierisch gute Bibelgeschichten. Ein Praxisbuch für Schule und Kindergottesdienst. R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1998. - „Die Geschichte kenn ich schon! Die hab ich schon oft gehört!“, wird hier wohl kein Kind rufen, denn die Autorin hat eine Art, biblische Geschichten aus ungewöhnlicher Perspektive zu erzählen, die selbst bibelfeste Erwachsene verblüfft und rätseln lässt. Dreizehn alt- und neutestamentliche Geschichten werden hier aus der Perspektive von großen und kleinen Tieren neu erzählt. Jeder Geschichte folgt eine gründliche Ausarbeitung, die eine Menge praktischer Ideen enthält, einschließlich Bastel- und Kopiervorlagen, Rätseln u.ä. Ein Arbeitsbuch für Praktiker in der Schule und in vielen Zweigen der Gemeindearbeit.
  • Monika Tworuschka, Die schönsten Tiergeschichten der Religionen. Mit Illustrationen von Julian Jusim. Patmos Verlag Düsseldorf 2004. - Diese interessanten Tiergeschichten stammen nicht nur aus der christlichen und jüdischen Tradition, sondern ebenso aus Islam, Buddhismus und Hinduismus, einige auch aus indianischen Religionen. Die Religionswissenschaftlerin Monika Tworuschka erzählt sie unterhaltsam nach. Die Geschichten, die seit mehreren hundert oder gar tausend Jahren überliefert und Kindern und Enkeln erzählt wurden, sagen viel über den Menschen und sein Verhältnis zur Schöpfung aus. Julian Jusim hat die Tiergeschichten phantasievoll und mit feiner Feder meisterhaft ins Bild gesetzt.


(c) Volkmar Hamp
Aus: Jungscharhelfer-Jahrbuch Band 1 (2010). Oncken-Verlag: Kassel 2009, Seite 16-19.