Die Arbeit mit Kindern im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.


1. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG)

Unter dem Namen Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sind in Deutschland seit 1942 die Baptistengemeinden und die Brüdergemeinden zusammengeschlossen.
Der Name will deutlich machen: Baptisten sind evangelisch, weil sie das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus und der Liebe Gottes, allen Menschen in Wort und Tat weitergeben wollen. Baptisten sind eine Freikirche, weil sie für die freie und persönliche Glaubensentscheidung des Einzelnen eintreten und weil sie gegenüber dem Staat und anderen Institutionen unabhängig sind. Sie erheben keine Kirchensteuern und finanzieren ihre Arbeit durch freiwillige Spenden und Mitgliederbeiträge. Baptisten legen Wert auf die Gemeinde, weil sie die Überzeugung teilen, dass Christen einander auf dem Weg des Glaubens helfen und miteinander den Menschen dienen sollten.
Baptisten unterscheiden sich von anderen (Landes-)Kirchen durch ihre Taufpraxis und ihr Gemeindeverständnis. Die 1834 von dem Hamburger Kaufmann Johann Gerhard Oncken (1800 bis 1884) in Deutschland gegründeten Baptisten praktizieren die Taufe der Glaubenden und lehnen die Kindertaufe als unbiblisch ab. Die Gemeinden sind relativ überschaubar, da sie nur aus getauften Mitgliedern bestehen. Dadurch entsteht oft eine familiäre Atmosphäre. Die Gottesdienste sind offen für Gäste. Einzelne Gemeinde bieten sogar besondere Gottesdienste für Kirchendistanzierte an. Diese Veranstaltungen zeichnen sich aus durch moderne Musik, lebensbezogene Predigten, kleine Theaterstücke und ähnliches. Viele dieser Elemente sind aber auch in „normalen“ Sonntagsgottesdiensten üblich geworden.
Die einzelnen Gemeinden sind gegenüber dem Bund eigenständig. Sie finanzieren und verwalten sich selbst. Im Gemeindeleben wird das „Laienelement“ stark betont. Nach baptistischem Verständnis gibt es keine kirchliche Handlung, die ausschließlich „Amtsträgern“ vorbehalten wäre.
Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden pflegt intensive Kontakte zu anderen Kirchen und Christen. Er arbeitet mit anderen Kirchen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zusammen, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört. Enge Kontakte gibt es im evangelischen Bereich auch zur evangelischen Landeskirche (EKD) und ihren Gliedkirchen. Die älteste zwischenkirchliche Verbindung in Deutschland ist die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die die Baptisten gemeinsam mit den Methodisten und dem Bund Freier evangelischer Gemeinden 1926 gründeten.
Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland zählt rund 88.000 Mitglieder in 930 Gemeinden und Zweiggemeinden. Er bildet damit die größte evangelische Freikirche in Deutschland (-> www.baptisten.org).


2. Die Arbeit mit Kindern im BEFG

Die Kinder- und Jugendarbeit im BEFG verantwortet das Gemeindejugendwerk (GJW). Neben der Bundesgeschäftsstelle in Elstal gibt es 13 regionale GJWs in ganz Deutschland. Das GJW betreut über 30.000 Kinder und Jugendliche in ca. 2.100 Gruppen mit mehr als 5.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen (-> www.gjw.de). In den Gemeindejugendwerken und ganz vereinzelt auch in Gemeinden vor Ort arbeiten ca. 40 Hauptamtliche.


2.1. Geschichte: „Die erste Sonntagsschule in Hamburg gegründet ...“ (1825)

Interessanterweise beginnt die Arbeit mit Kindern im deutschen Baptismus schon eine ganze Weile, bevor 1834 die erste Baptistengemeinde in Deutschland gegründet wird!
Am 9. Januar 1825 schreibt Johann Gerhard Oncken, der neun Jahre später zum Mitbegründer der ersten Baptistengemeinde in Deutschland werden sollte, in sein Notizbuch: „Die erste Sonntagsschule in Hamburg gegründet, d. 9. Jan. 1825 von J.G. Oncken und Rautenberg ...“
45 Jahre zuvor hatte der Zeitungsverleger und Druckereibesitzer Robert Raikes in der Küche einer Witwe in der englischen Industriestadt Gloucester die erste „Sunday School“ Englands gegründet. In ihr sollten verwahrloste Kinder, die z.T. wochentags in den Bergwerken arbeiteten, Lesen und Schreiben lernen, und wie in den „Küsterschulen“ des Mittelalters diente die Bibel als Lesestoff und ihre Lektüre als Unterrichtsziel. Nachdem die Idee einmal „geboren“ war, breiteten sich diese „Sunday Schools“ in England und bald auch in Amerika sehr schnell aus.
Johann Gerhard Oncken war mit 14 Jahren als Bediensteter des schottischen Kaufmanns John Walker Anderson auf die Insel gekommen. In einer Methodistenkirche fand er zum Glauben an Jesus und kam schließlich – am 16. Dezember 1823 – als Bibel-Agent der Continental Society, einer „Gesellschaft zur Förderung des Reiches Gottes auf dem Kontinent“, nach Hamburg. Hier sieht er das Elend der Arbeiterkinder in der Hamburger Vorstadt St. Georg. Und er handelt, indem er den Anstoß zur Gründung einer Sonntagsschule nach englischem Muster gibt.
In Johann Wilhelm Rautenberg (1791-1865), der zu jener Zeit lutherischer Pfarrer in der Hamburger Vorstadt St. Georg ist, findet er einen Verbündeten, der – allen Widerständen zum Trotz – das Werk mit auf den Weg bringt. 1832 wird Johann Hinrich Wichern (1808-1881) „Oberlehrer“ dieser Sonntagsschule. Durch seine Mitarbeit im dazu gehörenden „Besuchsverein“ empfängt er entscheidende Impulse, die ihn später zur Gründung des „Rauhen Hauses“ und der „Inneren Mission“ führen und damit zur Keimzelle des heutigen Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Johann Gerhard Oncken scheidet in diesem Jahr (1832) aus der Leitung der hamburgischen Sonntagsschule aus – „vermehrter Geschäfte halber“. Acht Jahre lang hat er dem hamburgischen Sonntagsschulverein als „Secretair“ gedient, ohne je selbst zu unterrichten, da seine Person wegen „pietistischer Umtriebe“ in Hamburg stark umstritten war. 1834 wird er die erste Baptistengemeinde auf deutschem Boden (mit)begründen – und mit ihr die „baptistische Sonntagsschulmission“.


2.2. Philosophie: „Hinsehen und Handeln“ – „Up To You“

Hinsehen und Handeln! Auf diese kurze Formel hat Kurt Jägemann das spannende Geschehen rund um die Gründung der ersten Sonntagsschule in der Hamburger Vorstadt St. Georg im Jahr 1825 und ihre weitere Geschichte im 19. Jahrhundert gebracht (siehe Literaturverzeichnis!). Hinsehen und Handeln – das ist auch heute noch die „Philosophie“ der Arbeit mit Kindern in unserer Kirche!
Wir bemühen uns darum hinzusehen, wie Kinder heute leben und was sie heute brauchen – und dann entsprechend zu handeln. Dabei hat uns ein Satz, mit dem Kurt Jägemann seine Darstellung der Sonntagsschulgeschichte beschließt, in den letzten Jahren – in seiner ganzen Doppeldeutigkeit! – als „Leitsatz“ begleitet: „Wenn wir das Gleiche tun, was unsere Väter taten, dann tun wir nicht das Gleiche!“ (Hinsehen und Handeln 48).
In einer veränderten und sich immer neu und immer schneller weiter verändernden Gesellschaft muss sich auch die Arbeit mit Kindern in unseren Gemeinden immer wieder an veränderte Gegebenheiten und Situationen anpassen. Im GJW haben wir darum in den letzten Jahren ein Konzept entwickelt, von dem wir glauben, dass es Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genau dazu hilft: sich immer wieder neu auf die jungen Menschen einzustellen, mit denen sie es zu tun haben, und ihre Arbeit in der Dynamik des Hinsehens und Handelns zu gestalten, die wir von unseren „Vätern“ gelernt haben.
Diesem „Konzept“ haben wir den Namen „Up To You“ gegeben
„Up To You“ („Auf dich kommt es an!“ / „Es liegt an dir!“) – dieses Konzept hat für uns drei Zielrichtungen:
1. beschreibt es, was wir von Gott erwarten: It’s up you YOU, auf DICH kommt es an, letztlich liegt es an DIR, ob aus unserem Tun etwas wird – oder nicht.
2. zielt es auf uns als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: It’s up to You, es liegt an Dir, Deinem Einsatz, Deiner Motivation, Deinem Können, ob Gott mit dem, was er tun will, zum Zuge kommen kann – oder nicht.
3. hat dieses Stichwort für uns mit den Kindern, Teenagern und Jugendlichen in unseren Gruppen zu tun: It’s up to you, es liegt an euch, auf euch kommt es an, ob das, was wir miteinander tun, Sinn macht – oder nicht.
Die drei „Hauptpfeiler“ dieses „Up To You“-Konzeptes lassen sich in den Stichworten
  • menschenbezogen,
  • christuszentriert und
  • handlungsorientiert
zusammenfassen. „Wir nehmen Kinder und Jugendliche ernst, fangen bei ihren Bedürfnissen an und fragen sie, was sie denken und von Jesus wollen (Stichwort: menschenbezogen). Wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Nachfolger Jesu und laden als Vorbilder andere dazu ein, ihm nachzufolgen (Stichwort: christuszentriert). Wir gestalten die Arbeit so, dass Kinder und Jugendliche selbst Erfahrungen mit Jesus machen und heil werden (Stichwort: handlungsorientiert).“ (Aus dem Vorwort zur „Up To You“-Konzeption des Gemeindejugendwerks – zum Download unter www.gjw.de; eine Buchveröffentlichung mit umfangreichem Praxisteil in der „Edition GJW“ im Oncken Verlag Kassel ist in Vorbereitung!)


2.3. Arbeitsformen: Von der Sonntagsschule bis zum Winterspielplatz ...

Die klassische Form der Arbeit mit Kindern in unserer Kirche ist der Kindergottesdienst (mancherorts noch „Sonntagsschule“), der in aller Regel parallel zum Gottesdienst der Erwachsenen am Sonntagmorgen stattfindet. Der Kindergottesdienst wird von geschulten, ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt und verantwortet. Die Gruppenstruktur richtet sich meist nach dem Alter der Kinder: Vorschule, Grundschule sowie die Gruppe der 11- bis 13-jährigen. Neben einem gemeinsamen Beginn im Plenum (oder im Gemeindegottesdienst) steht das altersgerechte Arbeiten am Text oder Thema mit kreativen Methoden im Mittelpunkt. Weitere Elemente sind: Singen, Beten und die Gemeinschaft mit den Kindern.
Familiengottesdienste werden in unterschiedlicher Häufigkeit in den Gemeinden gefeiert und von den Kindern und Mitarbeitenden mitgestaltet.
Immer größeren Raum nimmt in den letzten Jahren aber auch die Projektarbeit ein. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, über einige Wochen an einem kleineren oder größeren Projekt mitzuarbeiten. Die Projekte reichen von intensivem Arbeiten an einem biblischen Text über die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen (z.B. mit dem Thema „Kinderarmut“) bis zum Erlernen von Fertigkeiten oder Einblicken in die Berufswelt von einzelnen Gemeindemitgliedern. Auf Grund der klaren zeitlichen Begrenzung eines solchen Projektes ist es oft einfacher, hierfür Mitarbeitende zu gewinnen, die Interesse und Begabungen auf einem bestimmten Gebiet haben und diese den Kindern weitergeben möchten.
Neben diesen eher klassischen Formen der Arbeit mit Kindern am Sonntagmorgen gibt es vielfältige andere Aktivitäten: Bibel- und Erlebnistage für Kinder (vgl. dazu das Materialheft „Fühlt sich gut an!“ im Literaturverzeichnis!), Kinderbibelwochen, z.B. mit dem Team der „Regenbogen-Straße“, einem missionarischen Puppentheater für Kinder (-> www.regenbogenstrasse.de), Kinderfrühstücke, Kinderchorprojekte und die Mitarbeit bei überkonfessionellen evangelistischen Aktionen (z.B. „ProChrist für Kids“, „Bibel-Entdecker-Tour“). Viele Gemeinden haben auch Jungschar- oder Pfadfindergruppen.
Aber auch die Förderung interkultureller Beziehungen ist uns wichtig, z.B. bei einem „Kids Treff“ in einer Hochhaussiedlung, durch die Einrichtung von Kinderkantinen und Hausaufgabenbetreuungen, die Mitarbeit bei Kinderferienprogrammen und das Betreiben von „Winterspielplätzen“ in Gemeinderäumen.
Last but not least nehmen wir auch unsere Weltverantwortung ernst: Unter dem Motto „Kinder helfen Kindern“ unterstützen Kindergruppen durch regelmäßige Spenden und Aktionen (Aidsmärsche, Spielzeugsammelaktionen etc. …) Aidswaisen in Südafrika oder andere missionarische und sozialdiakonische Projekte (-> www.maroua-club.de).
Neben regelmäßigen Gruppenstunden und diversen Specials haben die Beziehungsarbeit und das gemeinsame Leben auf Freizeiten einen großen Stellenwert in unserer Arbeit: Das Angebot reicht hier von Übernachtungen im Gemeindehaus über Kinder- und Gemeindefreizeiten vor Ort bis zu den vielfältigen Maßnahmen die die regionalen Gemeindejugendwerke und die GJW-Bundesgeschäftsstelle in Elstal anbieten.
  • Hausfreizeiten und Zeltlager
  • Mädchenkreativfreizeiten
  • Reit- und Fußballfreizeiten
  • Großeltern-Enkel- und Vater-Kind-Freizeiten
  • Gemeindeunterrichtsfreizeiten
  • Integrative Freizeiten
  • „Indianerfreizeiten“ für Kinder von Strafgefangenen (-> www.gjw-sachsen.de)
  • u.v.a.m.


2.4. Material

Als Gemeindejugendwerk sind wir (Mit-)Herausgeber vielfältiger Materialien für die Arbeit mit Kindern. Hier sind vor allem zwei vierteljährlich erscheinende Zeitschriften („Miteinander Gott entdecken“ und der „Jungscharhelfer“) und die „Edition GJW“ im Oncken Verlag zu nennen.

a) „Miteinander Gott entdecken“ – Materialheft für Sonntagsschule und Kindergottesdienst
Der Titel dieses Materialheftes ist Programm! Miteinander – als Mitarbeitende und Kinder – wollen wir Gott in der Bibel, in den Themen der Kinder und in ihrer Alltagswelt entdecken. Die vierteljährlich erscheinenden Hefte greifen biblische Themen und Geschichten auf; sowie Themen aus der Lebenswelt der Kinder. Die Jahrgänge 2000-2004 sind jetzt auch auf vier CD-ROMs erhältlich.

b) „Jungscharhelfer“ – Material zur Arbeit mit Jungen und Mädchen (8-14 Jahre)
Der „Jungscharhelfer“ erscheint ebenfalls vierteljährlich und enthält viele kreative Ideen für die Arbeit mit Kindern im Jungscharalter (8-14): Andachten und Bibelarbeiten, Spielideen und Vorschläge zum kreativen Gestalten, und immer auch Hintergrundinformationen und Schulungsartikel für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

c) „Edition GJW“ im Oncken Verlag
Seit einigen Jahren haben wir als Gemeindejugendwerk – neben den von uns mit verantworteten Mitarbeiterzeitschriften – auch ein Materialangebot in Buchform: die „Edition GJW“ im Oncken Verlag Kassel.

Publikationen der letzten Jahre:
  • Jede Menge Töne (unser Kinder- und Jungscharliederbuch mit 200 Liedern für die Arbeit mit Kindern / Text- und Notenausgabe)
  • Mehr als nur Töne! Was man mit Liedern alles machen kann ... (ein methodisch-didaktisches Beiheft zu „Jede Menge Töne“ mit Grundsatzartikeln zum Thema „Musik machen und Singen mit Kindern“ und Gestaltungsideen zu allen 200 Liedern des Liederbuchs)
  • „Fühlt sich gut an!“ Bibel- und Erlebnistage für Kinder (14 Beispiele „aus der Praxis für die Praxis“)
  • Gott sendet seine Leute. Mit Kindern das Thema Mission entdecken (ein Materialheft mit Stundenentwürfen und Projektideen zum Thema „Mission“).
  • Beziehungsweise Gott. Ein Grundkurs des Glaubens für Jugendliche und Junge Erwachsene (ein Glaubenskurs für Mitarbeitende – und solche, die es werden könnten)

Für die nähere Zukunft geplante Neuerscheinungen:
  • Materialhefte zu den Themen „Spielen“, „Bibel erleben“ und „Basteln und Werken“ mit Kindern (Herbst 2006 bis Frühjahr 2007)
  • ein Materialheft mit (neuen) Stundenentwürfen für Vorschulgruppen („Sieh mal an!“) (Herbst 2006)
  • ein „1x1 der Kinderwoche“ (Herbst 2006)
  • das „Up To You“-Praxisbuch (Frühjahr 2007)
  • u.v.a.m.


2.5. Perspektiven: noch einmal „Hinsehen und Handeln – „It’s Up To You“

Die Zukunft unserer Arbeit liegt für uns im Augenblick vor allem in der konsequenten Umsetzung des „Up To You“-Konzeptes in der Arbeit mit Kindern. Dabei gibt es durchaus verschiedene „Baustellen“.
Zum Beispiel im Blick auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: Mitarbeitende für eine zeitgemäße, kindorientierte Arbeit mit Kindern und deren Familien aus- und fortzubilden, ihnen zu einer kritische Auseinandersetzung mit der Lebenswelt von Kindern heute zu verhelfen und sie in ihrer Arbeit zu begleiten und zu coachen.
Zum Beispiel im Blick auf die Kinder in unseren Gruppen (und darüber hinaus): Die Kinder wirklich ernst zu nehmen und „ihr eigenes Programm“ entwickeln und gestalten zu lassen (z.B. durch von Kindern selbst gestaltete, projektorientierte Gottesdienste u.ä.) und persönliche Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen und der Kinder untereinander zu fördern.
Zum Beispiel im Blick auf die Gemeinden als Träger der Arbeit mit Kindern: Die Arbeit mit Kindern im Umfeld der Gemeinde in den Blick zu bekommen (für und mit dem Stadtteil), auf die gesellschaftlichen Entwicklungen zu reagieren, von denen Kindheit heute geprägt wird (Armut, Arbeitslosigkeit, veränderte Familien- und Wohnsituationen etc.) und in unseren Gemeinden vielfach noch neue und ungewohnte Formen offener Arbeit mit Kindern zu installieren (z.B. in Ergänzung zur oder Kooperation mit der Schule).
Zum Beispiel im Blick auf das Gemeindejugendwerk: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Gemeinden und Gemeindeleitungen zu sensibilisieren für die zunehmende Bedeutung der Arbeit mit Kindern in unserer Gesellschaft, ihnen die Augen für „die Welt da draußen“ (d.h. außerhalb der eigenen Gemeinde) zu öffnen und sie für „neue“ Aufgaben, Projekte und Aktionen (Stadtteilarbeit, offene Arbeit mit Kindern) zu begeistern und bei konzeptionellen Überlegungen hierzu zu unterstützen. Außerdem: ein GJW für alle Kinder zu sein (z.B. durch ein verstärktes Angebot an „Low-Budget-Freizeiten“ bzw. alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen).

Dazu zwei Voten von Mitarbeitenden:
  • „In der Gemeinde bräuchten wir mehr junge, motivierte Mitarbeiter, die sich für die Arbeit mit Kindern begeistern lassen und hier ihre Prioritäten setzen.“
  • „Die kirchliche, ehrenamtlich geleistete Arbeit mit Kindern wird immer wichtiger werden, denn von staatlicher Seite können in Zukunft Angebote für Kinder weniger finanziert werden. Dies gilt vor allem für Kinder mit sozial schwachem Umfeld.“

Was wir nicht brauchen, sind „fertige Konzepte“, die nicht zu den Kindern, ihrer persönlichen Geschichte und Situation passen. Was wir brauchen, ist die Kompetenz, gemeinsam neue, passende Konzepte zu entwickeln, die von den Kindern und ihrer Lebenswelt ausgehen und zu ihnen und ihrer Situation vor Ort passen. Und das kann (und wird!) in Berlin anders aussehen als in Kempten, Landstuhl oder Timmendorfer Strand.


3. Literaturhinweise und Internetseiten

  • Kurt Jägemann, Hinsehen und Handeln. Die Gründung der Sonntagsschule in der Hamburger Vorstadt St. Georg 1825. Entwicklungslinien im 19. Jahrhundert. Mit einem Beitrag zu Perspektiven der Sonntagsschul- und Kindergottesdienstarbeit im 21. Jahrhundert von Volkmar Hamp. GJW Berlin 2000 (zu beziehen über den Oncken Verlag, Kassel).
  • Up To You – Auf dich kommt es an! Die Konzeption der Kinder- und Jugendarbeit im GJW: menschenbezogen – christuszentriert – handlungsorientiert. (Zum Download unter www.gjw.de; eine Buchveröffentlichung mit umfangreichem Praxisteil in der „Edition GJW“ im Oncken Verlag Kassel ist in Vorbereitung!)
  • Zu Mitarbeiterzeitschriften und weiterer Literatur vgl. oben 2.4. Material. Weiterführende Informationen finden sich auf den Internetseiten des Gemeindejugendwerks und des BEFG: www.gjw.de, www.maroua-club.de, www.regenbogenstrasse.de und www.baptisten.org.


(c) Volkmar Hamp,
Referent für die Arbeit mit Kindern im Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Elstal (Bundesgeschäftsstelle)
Brigitte Brandt,
Vorsitzende der Abteilung „Arbeit mit Kindern“ im Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

  • Aus: Handbuch Arbeit mit Kindern. Evangelische Perspektiven. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2007, Seite 462-469.