Kindertheologie
(Handout für ein Seminar auf der 15. Baptistischen Weltjugendkonferenz in Leipzig 2008)


Was ist Theologie?
„Jeder ist als Mensch und Christ Theologe!“ (Karl Rahner)
Theologie ist „Rede von Gott“ im Sinne eines reflektierenden Nachdenkens über Gott.
Theologie betreiben Fachleute und Laien („Priestertum aller Gläubigen“) – Kinder inklusive!

Welche Vorstellung vom Kind haben wir?
Kinder sind in der Sicht heutiger Pädagogik keine defizitären, unvollkommenen, zu erziehenden und zu belehrenden Wesen, die erst noch „erwachsen“ werden müssen, um vollwertige Menschen zu sein.
Kinder sind in der Sicht heutiger Pädagogik jedem Stadium ihrer Entwicklung ernst zu nehmen als Konstrukteure und Interpreten ihrer eigenen Wirklichkeit.
Sie reagieren nicht nur auf Einflüsse von außen – sie agieren und interagieren aktiv und konstruktiv in und mit ihrer Umwelt, mit anderen Kindern und mit Erwachsenen.

Kinder sind Produzenten von Theologie:
Kinder haben eine eigenständige und ernsthafte Theologie, die sich zwar von einer „Erwachsenentheologie“ unterscheidet, aber gleichwertig und gleich wichtig ist!
  • Sie bringen Gottesbilder hervor.
  • Sie legen biblische Texte aus – auf ihre Weise.
  • Sie sind Schöpfungstheologen und Kosmologen.
  • Sie deuten Kontingenz.

Besondere Leistungen der Kindertheologie sind:
  • Elementarisierung des Zugangs
  • Leiblichkeit des Denkens
  • Radikalität des Fragens
  • Verfremdung des Vertrauten

Wie kann Theologisieren mit Kindern gelingen:
Wichtig ist eine Haltung der Neugier, des Wissenwollens und der sorgsamen Wahrnehmung!
Kinder müssen ihre Fragen stellen und nach eigenen Antworten suchen dürfen!
Dabei wird intentionale religiöse Erziehung nicht überflüssig (Kinder brauchen Anregungen, Informationen, Geschichten etc.).
Aber Kindertheologie sollte nicht sogleich korrigiert, sondern zuerst verstanden werden!
Wir sollten sie nicht belächeln, sondern ernst nehmen.
Die „Erste Naivität“ der Kinder sollten wir zulassen, aber die Kinder nicht auf sie fixieren.
Kinder haben das Recht auf ihre Theologie, aber auch das Recht auf religiöse Bildung! Darum sollten wir behutsam entwicklungsfördernde Angebote machen.
Und – last but not least – wir sollten lernen, entkrampfter mit der Wahrheitsfrage umzugehen!

Praktische Ideen:
  • Theologische Gespräche mit Kindern führen
  • Kindern Ausdrucksmöglichkeiten für ihren Glauben anbieten und mit ihnen darüber nachdenken
  • Den Glauben der Kinder und seine Ausdrucksformen ernst nehmen und in der Gemeinde sichtbar werden lassen
  • Kinder beteiligen am theologischen Diskurs der Gemeinde


(c) Volkmar Hamp