Miteinander Gott entdecken
Mit Kindern unterwegs zum Glauben

Das Gemeindejugendwerk hat mit der Abteilung „Arbeit mit Kindern“ eine Umfrage in verschiedenen Gemeinden unseres Bundes gemacht. Dabei trat zutage: Die evangelisch-freikirchliche Kindergottesdienst- oder Sonntagsschularbeit gibt es heute nicht mehr. Viele verschiedene Modelle „geistlicher Unterweisung von Kindern“ werden in unseren Gemeinden gelebt.

Dabei kann man grob drei Richtungen unterscheiden:
1. die eher „traditionelle“ Sonntagsschule: Hier liegt der Schwerpunkt der Arbeit – oft nach einem gemeinsamen Beginn im Plenum – im Erzählen und / oder Erleben biblischer Geschichten sowie in einer möglichst kreativen Auseinandersetzung damit in altersspezifischen Kleingruppen.
2. die stärker erlebnisorientierte Arbeit in (oft altersgemischten) Projektgruppen: Hier geht es um eine möglichst intensive, kreative und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Bibel-, Glaubens- und Lebensthemen – oft in Projektphasen, die über mehrere Wochen gehen.
3. das eher frontal angelegte Promiseland-Konzept: Hier wird in der Regel – nach einer offenen Anfangsphase (z.B. in Form einer „Spielstraße“) – in einem kreativen Verkündigungsteil im Plenum eine biblische Geschichte und ihre „Anwendung“ auf das Leben und den Alltag der Kinder vermittelt und diese Verkündigung anschließend in altersspezifischen Kleingruppen vertieft.

Von diesen drei Modellen hat das Promiseland-Konzept sicher im Augenblick die größte „Öffentlichkeit“, was mit den aufwendigen Promiseland-Kongressen der letzten Jahre und mit dem großen verlegerischen Engagement zu tun hat, mit dem das Promiseland-Material vertrieben wird. Die kritische Auseinandersetzung damit kommt in der allgemeinen Promiseland-Euphorie leider oft etwas zu kurz.

Fragen wir, was Kinder eigentlich im Blick auf „geistliche Unterweisung“ und das „Heranführen zum Glauben“ brauchen, so sind zwei Dinge wichtig:
1. Glaube ist nach biblischem Verständnis nicht in erster Linie das Ergebnis eines menschlichen Lernprozesses, an dessen Ende das Überzeugtsein von bestimmten Glaubenswahrheiten und das Fürwahrhalten bestimmter Glaubensinhalte steht. Glaube ist vor allem ein Beziehungsbegriff: das Vertrauen auf Gott, der uns in Jesus Christus mit sich selbst versöhnt hat – und darum ein Geschenk der Gnade Gottes und eine Frucht des Heiligen Geistes (Galater 5,22).
2. Glaube in diesem Sinne entsteht allerdings nicht im luftleeren Raum. Römer 10,17: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ Glaube entsteht also aus der Verkündigung des Evangeliums. Wobei „Verkündigung / Predigt“ nicht nur die sonntägliche Kanzelrede meint, sondern die Begegnung mit dem „Wort Gottes“ in all ihren vielfältigen Möglichkeiten.

Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass es neben der sonntäglichen Predigt im Gottesdienst für Kinder andere, effektivere Formen der „Verkündigung“ gibt:
Wenn wir uns klar machen, dass der Mensch etwa 10% von dem behält, was er liest, etwa 20% von dem, was er hört, und etwa 30% von dem, was er sieht – aber schon 50% von dem, was er hört und gleichzeitig sieht, dann wird die Bedeutung „an-schaulicher“ Verkündigung deutlich: Worte allein reichen nicht aus, um „das Wort“ zu Gehör zu bringen!
Wenn wir dann noch wissen, dass wir noch weit mehr von dem behalten, was wir selber sagen (80%) oder selber tun (90%), dann wird klar, dass kommunikative und handlungsorientierte Formen der Verkündigung deutlich „effektiver“ sind als eine rein frontale „An-Sprache“, selbst wenn sie „an-schaulich“ gestaltet ist.

Lassen sich von diesen Grundsätzen her Kriterien zur Beurteilung unterschiedlicher Sonntagsschul- und Kindergottesdienst-Konzepte gewinnen?
Ich denke, ja. Nimmt man das zuvor Gesagte ernst, wird man solchen Formen und Methoden den Vorzug geben, die viel Raum lassen für ein selbständiges, entdeckendes, aktives, kommunikatives und handlungsorientiertes Lernen der Kinder. Frontale Verkündigung – so bunt und kreativ sie auch sein mag! – ist, lernpsychologisch betrachtet, immer nur die zweitbeste Möglichkeit.
Und wenn es, theologisch betrachtet, in der „geistlichen Unterweisung“ von Kindern nicht in erster Linie um die Vermittlung von Wissen über Gott, sondern um das Hineinwachsen in eine Beziehung mit Gott geht, dann wird dies vor allem auch in den Beziehungen der Kinder untereinander und zu den Mitarbeitenden gelernt. Kommunikation, gemeinsame Erlebnisse (die miteinander gedeutet und so zu Erfahrungen werden), das Reden miteinander und das gemeinsame Tun werden am ehesten den Glauben und eine lebendige Beziehung zu Gott/Jesus fördern.

„Miteinander Gott entdecken“
So heißt das „Materialheft für Sonntagsschule und Kindergottesdienst“, das wir als Gemeindejugendwerk im Rahmen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) verantworten. Und dieser Name ist Programm! Hier versuchen wir, Ideen für eine christuszentrierte, handlungs- und beziehungsorientierte sowie teilnehmerbezogene Arbeit mit Kindern zu vermitteln. Dabei achten wir auf Ganzheitlichkeit, Kreativität und Methodenvielfalt. Und darauf, dass die Kinder in unseren Gruppen am meisten lernen, wenn sie die Gelegenheit bekommen, selber etwas beizutragen, zu sagen oder zu tun!

Grundlage dafür ist das „Up to You“-Konzept des Gemeindejugendwerkes: unser „theologisch-pädagogisches Profil“, in dem wir die grundlegenden „Werte“ unserer Arbeit formuliert haben.

Ausführlichere Gedanken zum Thema in der Zeitschrift „Blickpunkt Gemeinde“ Nr. 2-2002.


(c) Volkmar Hamp