Das Gleichnis vom Weizenkorn
Drei Kinderandachten

Die folgenden drei Andachten habe ich für ein Andachtsbuch geschrieben, das vor kurzem im Neukirchener Verlagshaus erschienen ist: Es heißt „Fünf Minuten mit dem lieben Gott. 365 Andachten für Kinder und die ganze Familie“. Herausgegeben hat es Landesbischöfin Margot Käßmann.
Dieses Buch eignet sich wunderbar zur Gestaltung von Familienandachten (auch mit kleinen Kindern), enthält aber auch jede Menge gute Andachtsideen für die Jungschar!




Gleichnis vom Weizenkorn, Teil 1

Bibelvers
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Johannes 12,24 (Einheitsübersetzung)

Erzählung
Mann, war das ein Empfang! Dabei wollten wir doch nur zum Passafest nach Jerusalem. Doch kaum näherten wir uns der Stadt, zogen die Leute uns schon entgegen. Mit Palmzweigen in den Händen und lauten Rufen: „Hosianna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“
Dabei sah Jesus gar nicht so königlich aus: Auf einem Esel ritt er, nicht auf einem Pferd, wie ein richtiger König es getan hätte. Und sein Gefolge war auch nicht gerade beeindruckend. Wir waren doch nur ein paar Fischer und Zöllner und ähnlich traurige Gestalten.
Aber so war Jesus nun mal! Wenn er seine Geschichten von der anbrechenden Gottesherrschaft erzählte, dann hat er gerade uns eingeladen dabei zu sein: die kleinen Leute, die Außenseiter – nicht die Erfolgreichen und Großen.
Was ich nicht verstehe: Warum ist Jesus nach diesem großartigen Empfang plötzlich so traurig? Und warum spricht er vom Sterben? Was will er uns mit diesem Bild vom Weizenkorn sagen?
Ein Weizenkorn stirbt doch nicht, wenn es in die Erde fällt! Es keimt. Es verwandelt sich! Daraus wächst eine große Pflanze, die viele neue Weizenkörner hervorbringt.
Ob es das ist, was Jesus meint? Dass er wie so ein Weizenkorn ist, aus dem etwas Großes entstehen wird?

Infotext
Wusstest du, dass sich aus einem Weizenkorn, das in die Erde fällt und keimt, eine Pflanze mit zwei bis drei Ähren entwickelt? Jede dieser Ähren enthält 25-40 Körner. Ein Weizenkorn kann also ... na? ... wie viele? ... ja: 75-120 neue Körner hervorbringen!

Gebet
Gott, manchmal fühle ich mich klein und unbedeutend wie ein Weizenkorn.
Lass mich nie vergessen, dass du aus meinem Leben etwas Großes machen kannst.


Gleichnis vom Weizenkorn, Teil 2

Bibelvers
Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.
Johannes 12,26 (Einheitsübersetzung)

Erzählung
Wenn das stimmt, dass Jesus wie ein Weizenkorn ist, aus dem etwas Großes entsteht (s.o. zum 14. März), dann möchte ich gerne ein Teil davon sein. Wenn Jesus über diese Welt herrscht wie ein König über sein Reich, dann möchte ich gerne dazugehören.
Warum? Weil Jesus ein guter König ist! Einer, der nicht auf einem Pferd, sondern auf einem Esel reitet (s.o. zum 14. März). Einer, der sich um die Armen, Kranken und Schwachen kümmert und sich nicht nur mit den Wohlhabenden und Erfolgreichen umgibt.
So einem König möchte ich gerne dienen!

Aber wie könnte das aussehen?
„Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach!“, sagt Jesus. Na super! Damals war das ja einfach: Da musste man nur hinter Jesus herlaufen und schon war man ein „Nachfolger“! Aber wie geht das heute?
Ich habe Freunde, die tragen ein Armband, auf dem stehen vier Buchstaben: WWJD. Das ist eine Abkürzung für einen englischen Satz: „What Would Jesus Do?“ heißt dieser Satz. Übersetzt: „Was würde Jesus tun?“
Vielleicht geht Jesus nachfolgen heute so: Dass ich mich immer wieder frage: Was würde Jesus tun, wenn er jetzt an meiner Stelle wäre? Und wenn ich dann genau das tu, dann ist Jesus mir ganz nah! Das hat er versprochen ...


Bastelidee
Ein „What would Jesus do“-Armband kannst du dir ganz leicht selber basteln: Du brauchst ein nicht zu schmales Lederband. Darauf schreibst du mit einem wasserfesten Filzstift die Buchstaben WWJD. Umbinden. Fertig.

Lied
Wenn man tut, was Gott gefällt,
wird es besser auf der Welt!
(Gertrud Schmalenbach)


Gleichnis vom Weizenkorn, Teil 3

Bibelvers
Glaubt an das Licht, solange ihr’s habt, damit ihr Kinder des Lichts werdet.
Johannes 12,36


Erzählung
„Na, du strahlst aber!“ sagte Mama und stellte ihrer Tochter Peggy ein Glas Orangensaft neben den Frühstücksteller.
Peggy lachte. „Na, klar! Ich habe super geschlafen, die Sonne scheint und heute ist schulfrei! Da kann man doch gar nicht anders!“
Dann nahm sie einen großen Schluck Orangensaft, wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab und sagte dann mit einem verschmitzten Lächeln: „Das ist wie Sonnenschein von innen!“

Kennst du das auch? Dass man morgens aufwacht und am liebsten die ganze Welt umarmen möchte?! Solch ein Moment kann einem den ganzen Tag versüßen. Das merken dann auch die anderen. Man strahlt das aus. Das ist wie Sonnenschein von innen.

Ganz ähnlich ist das wohl mit Jesus: An ihn zu glauben, ihm zu vertrauen, das macht aus uns „Kinder des Lichts“. Das ist, als ob ganz tief in uns drin die Sonne aufgeht. Und manchmal strahlt das auch nach außen: durch unsere lachenden Augen, durch einen freundlichen Blick, durch eine helfende Hand.

Nicht immer natürlich: Auch wenn man an Jesus glaubt und mit ihm lebt, gibt es dunkle und trübsinnige Tage. Nicht immer spüren wir „Sonnenschein von innen“. Nicht immer. Aber immer öfter ...


Infotext
Hast du schon einmal in einem stockdunklen Raum eine Kerze angezündet? Das musst du mal ausprobieren! Du wirst staunen, wie viel Licht schon eine einzige Kerze ausstrahlt! Wenn jeder Mensch, der an Jesus glaubt und mit ihm lebt, wie so eine kleine Kerze ist, dann kann die Welt doch ein heller und freundlicher Ort sein, oder!?

Lied
Mein Gott, in Deiner guten Nähe kann ich heil und ruhig sein.
Was ich in deinem Lichte sehe, wird hell und warm und klar und rein.
Herr, bleib bei uns, du bist das Licht!
Herr, bleib bei uns, die bist das Licht!
(Christiane Dusza)


(c) Volkmar Hamp

Aus: Fünf Minuten mit dem lieben Gott. 365 Andachten für Kinder und die ganze Familie. Herausgegeben von Margot Käßmann. (c) 2008 Neukirchener Verlagshaus, (14./15./16. März)