„Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?“
(Genesis 16,1-16)



Liebe Geschwister, liebe Freundinnen und Freunde,

Sara lachte. So steht es in dem Bibeltext, über den ich heute eigentlich predigen wollte (1. Mose / Genesis 18,9-14). Ein trauriges, zynisches, ungläubiges Lachen. „In unserem Alter noch ein Kind? Wie soll das gehen? Unmöglich!“
Doch der Mann, in dessen Gestalt Gott selbst sie besucht hatte, antwortet mit einer Gegenfrage: „Unmöglich!? Sollte Gott etwas unmöglich sein?“
Diese Frage ist eine Herausforderung für unseren Glauben. Können wir darauf vertrauen, dass Gott nichts unmöglich ist?
Dass wir auch die aktuelle schwierige Situation mit ihm und miteinander bewältigen werden? Dass der überwiegende Teil unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen besonnen bleibt und sich angemessen verhält? Dass es gelingen wird, die Corona-Pandemie einzudämmen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern? Dass wir alle miteinander die Menschen, für die das Virus eine besondere Gefahr darstellt, schützen können? Oder gewinnen Verzweiflung, Zynismus, Misstrauen die Oberhand?
Auf ihr ungläubiges Lachen angesprochen, leugnet Sara und behauptet, sie habe nicht gelacht. Denn sie fürchtete sich.
Beides kenne ich auch: Unglaube und Furcht. Gerade jetzt. Zu leugnen, dass das da ist, macht keinen Sinn. Natürlich habe ich Angst, dass meine alten Eltern sich anstecken könnten. Natürlich sorge ich mich um Freunde und Freundinnen, die im Gesundheitssystem arbeiten und nicht wissen, wie das zu bewältigen sein wird, was da auf uns zukommt. Natürlich mache ich mir Gedanken über die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Krise.
Gott sagt zu Sara: „Es ist nicht so, du hast gelacht!“ Das ist kein Vorwurf, sondern ein Augenöffner: Sieh hin! Schau deinen Sorgen, deinen Zweifeln, deinem Unglauben ins Gesicht. Verdränge nicht, was dir Angst macht, damit es dich nicht lähmt. Und dann warte ab! Leb dein Leben. Tu, was du kannst, und lass Gott machen, was nur er tun kann. Vielleicht wird er dich mit dem einen oder anderen Wunder überraschen. „Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?“
Wir wissen, wie die Geschichte mit Sara und Abraham weiterging. Nachzulesen ist das in 1. Mose / Genesis 21,1-7. Gott hält sein Versprechen. Die beiden bekommen das lang ersehnte Kind. Sie geben ihm den Namen Isaak. Das heißt: „Gott hat mir ein Lachen geschenkt!“
Susanne Breit-Kessler, Regionalbischöfin von München-Oberbayern und Vorsitzende des Kuratoriums „7 Wochen Ohne“, an dessen Vorschlägen für die Fastenzeit wir uns in diesen Wochen orientieren, schreibt dazu:
„Sara lacht. Zuerst ungläubig, dann voller Liebe zum Leben und damit für diesen einen einzigen Gott. Das ist es, was sie besonders macht: Eros für eine Botschaft, die den Tod in seiner vielfältigen, auch der sozialen Gestalt besiegt. Das Wissen um die Liebe Gottes zu den Menschen. Eine Liebe, die stärker ist als Pessimismus, als Resignation, als der Tod. Zuversicht!“
Solche Zuversicht wünsche ich mir und euch! Bleibt gesund und behütet!

Amen.

© Volkmar Hamp