Woher wir kommen und wozu wir leben
(Genesis 2,4-9.15)



Als Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt und dort vom Teufel versucht wurde (vgl. Mt 4,1-11; Lk 4,1-13), da war – nach 40 Tagen und Nächten des Fastens – die erste Versuchung für ihn, aus Steinen Brot zu machen (Mt 4,3; Lk 4,3). Jesus widerstand dieser Versuchung mit einem Zitat aus dem 5. Buch Mose: „Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): ‚Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.’“ (Mt 4,4; Lk 4,4)
Dieser Satz enthält eine tiefe Weisheit. Er erinnert uns daran, dass Leben mehr ist als Essen und Trinken und ein Dach über dem Kopf. So sehr diese Grundbedürfnisse – und einige andere mehr – befriedigt sein müssen, damit Leben sich entfalten kann, so sehr sind wir als Menschen darauf angelegt, über die Befriedigung dieser Grundbedürfnisse hinaus nach Sinn zu fragen. Mit dem zitierten Bibelwort behauptet Jesus, dass es das Wort Gottes ist, von dem wir diese Sinnstiftung für unser Leben erwarten dürfen.
Viele Menschen zu allen Zeiten der Religions- und Kirchengeschichte haben die Erfahrung gemacht, dass das stimmt. Es sind Worte Gottes, die großen Geschichten der Bibel (und anderer religiöser Traditionen), die uns berühren, inspirieren und wirklich lebendig machen! Eine besondere Gattung solcher Geschichten finden wir in den ersten elf Kapiteln der Bibel, in der sogenannten Urgeschichte (Gen 1-11). Sie unterscheiden sich von allem Folgenden, weil es in ihnen um „das Allgemeinste, alle Menschen Einschließende“ geht, was es über den Menschen und seine Stellung in der Welt überhaupt zu sagen gibt (Westermann, BKAT I/1, 5). Diese Geschichten erzählen von der Erschaffung der Welt und des Menschen. Sie erzählen von den Errungenschaften der Kultur, von Schuld und von Strafe. Und wie ein roter Faden durchzieht sie der Segen, der – trotz allem Versagen und aller Schrecken – seit Anbeginn der Welt auf der Schöpfung liegt.
Dabei ist die Urzeit, von der hier erzählt wird, mit Uhren nicht zu messen, nicht in Daten zu fassen. Sie lässt sich nicht auf ein bestimmtes Jahrtausend vor Christus festlegen, in dem diese Geschichten sich ereignet hätten. In solchen Urgeschichten – nicht nur in denen, die man sich im Volk Israel erzählte, sondern auch in denen anderer Völker und Religionen – werden Erfahrungen und Erkenntnisse der frühen Menschheitsgeschichte gebündelt, die für alle Menschen zu allen Zeiten von Bedeutung sind. Solche Urgeschichten enthalten Weisheiten, die nicht einzelne Menschen oder Völker betreffen, sondern den Menschen an sich. Sie verraten uns etwas über die Grundbedingungen unserer Existenz. Darum wurden diese Geschichten über Jahrhunderte weitererzählt, von Generation zu Generation, und schließlich – zwischen dem 9. und dem 5. vorchristlichen Jahrhundert – schriftlich festgehalten.
Der Predigttext für den heutigen Sonntag ist ein Auszug aus einer dieser alten Geschichten. Er steht im 2. Kapitel der Genesis, des ersten Mose-Buches, und trägt in den meisten Bibeln die Überschrift: „Das Paradies“. Ich lese aus 1. Mose 2 die Verse 4-9 und 15 (in der Übersetzung von Begrich, Genesis, 9f):

(4) Dies ist das Werden des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden am Tage, da ER, Gott, Erde und Himmel machte.
(5) Aber noch war kein Gewächs des Feldes auf Erden, und kein Grün des Ackers war aufgesprosst, denn ER, Gott, hatte keinen Regen fallen lassen auf die Erde und kein Mensch war da, um den Ackerboden zu bestellen.
(6) Aber da stieg Feuchtigkeit aus der Erde auf und wässerte die ganze Oberfläche des Ackerbodens.
(7) Da formte ER, Gott, den Menschen aus der Erde vom Ackerboden. Er blies in seine Nase Sprachodem des Lebens. Es wurde der Mensch eine lebendige Seele.
(8) ER, Gott, pflanzte einen Garten in Eden, von Urzeit her, er setzte dorthin den Menschen, den er geformt.
(9) ER, Gott, ließ aufwachsen vom Ackerboden alle Bäume, köstlich zum Anschauen und schön zur Speise; inmitten des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
(15) ER, Gott, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, um ihn zu bearbeiten und um ihn zu behüten.


Wie gesagt: eine uralte Geschichte! Fast 3.000 Jahre alt. Archaisch in der Sprache, in der Form und im Inhalt. Und doch ist diese Geschichte heute noch so aktuell wie eh und je, denn es geht in ihr um die Herkunft und um die Bestimmung des Menschen.
Da werden also zwei Grundfragen menschlicher Existenz gestellt und beantwortet, die viele tausend Jahre Religions- und Philosophiegeschichte geprägt haben: „Woher kommen wir?“ und: „Wozu leben wir?“
Die Antworten, die auf diese Fragen gegeben werden, sind jeweils zweiteilig. Sie haben eine vertikale und eine horizontale Dimension. Zum einen verweisen sie uns auf Gott und den Himmel. Zum anderen richten sie unseren Blick auf die Schöpfung, auf die Welt, in der wir leben.


Woher also kommen wir?

Die uralte Geschichte erzählt von einer Zeit, in der noch nichts war, nichts außer Gott und einer unwirtlichen, ungeformten, unfruchtbaren Welt. „Da“, so heißt es, „stieg Feuchtigkeit aus der Erde auf und wässerte die ganze Oberfläche des Ackerbodens“ (Vers 6). Die harte, tote Erde wird weich und formbar wie Lehm, so dass Gott sie nehmen und daraus den Menschen gestalten kann (Vers 7).
Im Hebräischen steht hier ein Wortspiel, das im Deutschen nur schwer wiederzugeben ist. Gott formt Adam, den ersten Menschen aus der adamah, der Erde vom Ackerboden. Der Mensch und die Erde tragen also denselben Namen. Sie sind aus einem Material. Das heißt: So wenig wir ohne Gott zum Menschen werden können, so sehr sind wir Teil der Erde, von der wir kommen und auf der wir leben!
Das ist ein wichtiger Gedanke! Als Menschen sind wir ausgespannt zwischen Himmel und Erde. Wir sind ganz von und ganz in dieser Welt und gleichzeitig ausgerichtet auf die Welt Gottes. Wir sind Kinder dieses Planeten und träumen zugleich von einer Heimat im Himmel.
Doch wenn wir „aus Erde vom Ackerboden“ geschaffen sind, was macht uns dann eigentlich zum Menschen? Was zeichnet uns aus vor allen anderen Geschöpfen?
In dieser Geschichte ist das der „Hauch des Lebens“, den Gott dem ersten Menschen in die Nase bläst. Das ist nicht nur der Atem, den wir mit allen anderen Lebewesen teilen (Ps 104,29f). Das Wort neschamah, das hier im Hebräischen steht, ist ein Wort, das nur dem Menschen und Gott vorbehalten ist. Es ist „der zur Sprache befähigte Odem ... der ‚Sprachgeist’, das Vermögen zu sprechen, das außer dem Menschen nur Gott besitzt“ (Begrich, Genesis, 148). Diese Sprachfähigkeit ist das, was uns zu etwas Besonderem macht, das Vermögen, mit Gott und mit anderen Menschen zu kommunizieren.
Denselben Gedanken finden wir auch im allerersten Kapitel der Bibel, das wahrscheinlich 500 Jahre nach der Paradiesgeschichte entstanden ist. Da heißt es:

„Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie.“ (Gen 1,27 in der Übersetzung von Begrich, Genesis, 8f).

Das heißt, Gott entschließt sich, etwas zu schaffen, „was mit ihm selbst zu tun hat“ (Westermann, BKAT I/1, 215), was ihm entspricht. Wir sind, wie der evangelische Theologe Karl Barth (1886-1968) es ausgedrückt hat „ein von Gott anzuredendes Du“ und „ein vor Gott verantwortliches Ich“ (vgl. Barth, KD III/I, 204-233; zitiert bei Westermann, BKAT I/1, 208).
Das Wort zelem, das hier im Hebräischen für „Ebenbild“ steht, ist verwandt mit einem Begriff, der in der Umwelt Israels auch „Grenzstein“ bedeutet. Die assyrischen Könige haben solche „Grenzsteine“ mit ihren Bildern darauf aufgerichtet, um ihr Herrschaftsgebiet zu kennzeichnen. Das bedeutet: Wo ein Mensch ist, wird – wie mit einem solchen Grenzstein – Gottes Herrschaft und Macht verkündet! Wo wir sind, da ist der große König! Überall, wo Menschen sind, ist ein „Ort Gottes“ (Begrich, Genesis, 145).
Diese Aussage vom Menschen als Ort Gottes, als sein Ebenbild, gilt, weil sie ein Teil der Urgeschichte ist und sich an alle Menschen richtet, nicht exklusiv (nur für die Gottesgläubigen, die Frommen, die Juden, die Christen), sie gilt inklusiv (für alle Menschen).
In jedem von uns – in jedem Flüchtling aus Syrien oder Eritrea, in jedem Bürger, der diesen Flüchtling freundlich begrüßt, und in jedem Nazi, der ihn beschimpft – ist Gott selbst gegenwärtig. Daran ändert auch der sog. „Sündenfall“ nichts, von dem die Paradiesgeschichte dann auch erzählt. Die Gottesbildlichkeit des Menschen geht durch die Sünde nämlich nicht verloren – sie wird allenfalls verdunkelt, verdeckt, verborgen.
Der Alttestamentler Claus Westermann (1909-2000) formuliert das so: „Alle Menschen hat Gott ‚zu seinem Entsprechen’, d.h. so geschaffen, dass etwas zwischen dem Schöpfer und diesem Geschöpf geschehen kann. Das gilt dann jenseits aller Unterschiede zwischen den Menschen; es gilt auch jenseits des Unterschiedes der Religionen bzw. des Glaubens oder Nichtglaubens. Jeder Mensch in jeder Religion und in jedem Bereich, in dem die Religionen nicht mehr anerkannt werden, ist nach dem Bilde Gottes geschaffen.“ (Westermann, BKAT I/1, 218)
Manche Philosophen und Staatsrechtler (Christian Stark / Herbert Schnädelbach) führen die neuzeitliche Vorstellung von der Menschenwürde auf genau diese jüdisch-christliche Tradition zurück.
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Art. 1) Oder wie es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art 1 Abs. 1 GG)

Damit bin ich bei der zweiten Frage, die unsere Geschichte beantwortet:


Wozu sind wir eigentlich da?

Und wieder ist die Antwort zweiteilig: zum Antwort geben und zur Verantwortung!
Das Faszinierendste an dieser alten Paradiesgeschichte – und an vielen anderen Geschichten, die aus derselben Zeit und vermutlich auch vom selben Verfasser stammen – ist für mich die Unmittelbarkeit der Kommunikation zwischen Gott und Mensch. Gleich nachdem er den Menschen geschaffen und in den Garten Eden gesetzt hat, heißt es: „Und Gott sprach ...“ Wie ein roter Faden zieht sich dieser Satz durch die ganze Urgeschichte und durch die nachfolgenden Erzählungen von den Stammvätern und Stammmüttern Israels. Immer wieder heißt es „Und Gott sprach ...“ Immer wieder redet Gott zu Menschen, und immer wieder bekommt er Antwort von ihnen. Auch wenn die Kommunikation mal mehr, mal weniger gut funktioniert und manche Antwort eine Frage ist: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ (Gen 4,9) – „Wie soll ich in meinem Alter noch ein Kind bekommen?“ (Gen 18,13) – „Willst du wirklich den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen?“ (Gen 18,23)
Der Mensch ist geschaffen zum Antwort geben. Er ist darauf angelegt, mit Gott ins Gespräch zu kommen und mit ihm im Gespräch zu bleiben. Das ist, was die Bibel „Glaube“ nennt! Zu vertrauen, dass Gott redet und zuhört, wenn wir mit ihm sprechen, und dass er es gut mit uns meint!
Aber das ist nur das eine. Das andere ist mindestens genauso wichtig. Der Mensch ist nicht nur geschaffen zum Antwort geben, er soll auch Verantwortung übernehmen! Verantwortung für sich selbst und für die Menschen, mit denen er zu tun hat. Verantwortung für die eigene kleine Welt und für die große weite Schöpfung Gottes.
Die uralte Geschichte vom Paradies entfaltet das erzählerisch. Sie lässt Gott einen Garten anlegen, in den er den Menschen setzt, „um ihn zu bearbeiten und um ihn zu behüten“ (Vers 8+15). Das Schöpfungslied im ersten Kapitel der Bibel macht daraus Poesie:

„Gott sprach, wir wollen Menschen machen in unserem Bilde als unsere Nachbildung und sie sollen sich kümmern um die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels und das Vieh und um alles Getier der Erde und um alle Kriechtiere, die auf Erden kriechen.“ (Gen 1,26 in der Übersetzung von Begrich, Genesis, 8f)

Bearbeiten und Behüten, Bebauen und Bewahren, sich kümmern um die Schöpfung – nicht um sie auszubeuten und zu zerstören, sondern um sie zu nutzen und zu schützen.
Das neudeutsche Wort dafür heißt „Nachhaltigkeit“. Es bedeutet, dass jede Generation so leben soll, dass sie die Existenz und das Wohlergehen der nachfolgenden Generationen nicht gefährdet. Davon sind wir heute weit entfernt!
Wir sind in der Lage, uns selbst, unsere Lebensgrundlagen und die Welt, auf der wir leben, zu zerstören – und immer noch auf dem Weg, das zu tun. Die Katastrophe von Fukushima (2011) hat uns – 25 Jahre nach Tschernobyl – einmal mehr daran erinnert. 70 Jahre nach den verheerenden Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki (1945) lagern immer noch Tausende von Atomsprengköpfen in den Waffenarsenalen der Atommächte und bleiben ein schwer zu kalkulierendes Risiko. Klimawandel und Erderwärmung sind wohl nur noch mit viel gutem Willen und unter größter Kraftanstrengung aufzuhalten oder wenigstens zu begrenzen. Und dann sind da noch die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen unserer Zeit: die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich, der vielbeschworene „Kampf der Kulturen“ (Huntington), Migrationsdruck und Flüchtlingselend. Dass wir der nach uns kommenden Generation eine Welt hinterlassen könnten, in der gut zu leben ist, scheint eher ein frommer Wunsch zu sein als eine realistische Möglichkeit!
Der Philosoph Peter Sloterdijk nennt uns „die schrecklichen Kinder der Neuzeit“. Wir rufen „Nach uns die Sintflut!“ und holen – ohne Rücksicht auf unsere Mitmenschen und vor allem ohne Rücksicht auf die nach uns lebenden Menschen – aus der Welt und ihren Ressourcen raus, was rauszuholen ist. Wir zerstören nicht nur unsere eigenen Lebensgrundlagen, sondern auch die unserer Kinder.
Vielleicht kennt ihr den „kategorischen Imperativ“, den der Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant (1724-1804), schon im 18. Jahrhundert formuliert hat. „Handle stets so, dass die Grundsätze deines Handelns die Grundlage für eine allgemeine Gesetzgebung sein könnten.“ Ein Philosoph unserer Tage, Hans Jonas, hat diesen „kategorischen Imperativ“ um einen „ökologischen Imperativ“ ergänzt: „Handle stets so, dass die Folgen deines Handelns nicht zukünftiges Leben auf diesem Planeten gefährden.“
Genau dieses „Prinzip Verantwortung“ (so der Titel des Buches von Hans Jonas) finden wir schon auf den ersten Seiten der Bibel – nur viel schöner und poetischer formuliert als Philosophen das können. Der Mensch ist geschaffen als „Ebenbild Gottes“, als sein Partner und Hüter der Schöpfung. Gott ist der große Gärtner, der dem Menschen seine Schöpfung, den „Garten Eden“ anvertraut, damit er ihn „bearbeite und behüte“.
„Eden“ heißt übersetzt „Wonne“ oder auch „Liebeslust“. Unser Verhältnis zu Gott und zu seiner Schöpfung soll von Liebe, von Zuneigung und Lust geprägt sein! Es darf – neben allem Philosophischen und Theologischen – durchaus auch etwas „Erotisches“ haben! Wir sind Geschöpfe Gottes und zugleich Kinder der Erde. Wir tragen die Sehnsucht nach dem Himmel in uns und sind zugleich Hüter der Schöpfung. Das ist unsere Aufgabe und Bestimmung.


Bleibt noch die Frage, was das heute konkret bedeutet!

Wir leben ja nicht im Paradies sondern „jenseits von Eden“. Wir leben nicht in trauter Zweisamkeit in einem schönen Garten, sondern mit sieben Milliarden Menschen auf einem gefährdeten Planeten. Und nicht alle diese Menschen verstehen sich als Geschöpfe Gottes und Hüter der Schöpfung.
Das ist richtig! Und darum erwartet auch niemand von uns, dass wir „mal eben schnell die Welt retten“. Ganz sicher erwartet Gott das nicht! Um dieses Problem – das ist das Evangelium, die gute Nachricht der Bibel – kümmert ER sich selbst und höchstpersönlich!
Deshalb finden wir in der Bibel nicht nur Geschichten vom Anfang sondern auch solche vom Ende der Welt. Die klingen manchmal bedrohlich und Angst machend, aber so sind sie nicht gemeint. Im Gegenteil! Sie wollen Menschen, die Angst haben, Mut machen und Hoffnung geben. Letztlich, so erzählen diese Geschichten, hat Gott das Ende genauso in der Hand wie den Anfang. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, und alles wird so sein, wie ER es sich von Anfang an gedacht hat.

„Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron (Gottes) her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,3-5a)

Die neue Welt Gottes wird – wie die anfängliche Schöpfung – aus Gottes Hand kommen. Der große Gärtner wird seine Schöpfung selbst vollenden. Doch bis es so weit ist, hat er uns diesen Planeten anvertraut. Wir können tun, was uns möglich ist, um ihn zu dem liebens- und lebenswerten Ort zu machen, den Gott sich vorgestellt hat, als er die Welt erschuf und den Garten Eden pflanzte. Das sind vielleicht ganz kleine Dinge:

  • unser Konsumverhalten so zu gestalten, dass dadurch Prinzipien der Nachhaltigkeit und des fairen Handels gestärkt werden,
  • unser Zusammenleben mit anderen Menschen so zu gestalten, dass darin Fremdenfeindlichkeit und Rassismus keinen Platz haben,
  • begreifen, dass unsere Welt eine ist, in der alles zusammenhängt und wir aufeinander achten müssen!


Literatur
Gerhard Begrich, Genesis. Das erste Buch Mose neu übersetzt und erläutert. Stuttgart 2014.
Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt am Main 1979.
Peter Sloterdijk, Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Über das anti-genealogische Experiment der Moderne. Berlin 2014.
Claus Westermann, Genesis. 1. Teilband: Genesis 1-11. 3. Aufl. Neukirchen-Vluyn 1982.

© Volkmar Hamp