Der Junge von Nain (Lukas 7,11-17)


11 Und es geschah daraufhin, dass er in eine Stadt wanderte, die Nain genannt war, und seine Jünger und eine große Menge wanderte mit ihm.
12 Als er sich aber dem Tor der Stadt näherte, da, siehe, wurde ein Verstorbener heraus getragen, einziger Sohn seiner Mutter, und sie war Witwe, und eine beträchtliche Menge aus der Stadt war mit ihr.
13 Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: „Weine nicht!“
14 Und hinzutretend rührte er den Sarg an, die Träger aber standen still.
Und er sprach: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!“
15 Und der Tote setzte sich auf und begann zu reden, und er gab ihn seiner Mutter.
16 Furcht aber packte alle und sie priesen Gott und sagten: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden“, und: „Besucht hat Gott sein Volk.“
17 Und dieses Wort über ihn ging aus im ganzen Judäa und der ganzen Umgebung.


Wär das nicht toll? Wenn Tote aufstehen könnten, eine zweite Chance bekämen? Wenn das Leben weiter ginge?
Ich habe einmal ein Buch gelesen, in dem es genau darum ging (Ken Grimwood, Replay - Das zweite Spiel): Ein Mann stirbt mit 40 Jahren an einem Herzanfall, aber er bleibt nicht tot. Er wacht im Körper seines 18-jährigen früheren Ichs wieder auf und bekommt die Chance sein Leben ein zweites Mal zu leben. Und diesmal will er es besser machen: Er wettet auf ein paar Pferderennen, deren Ausgang er aus seinem ersten Leben kennt; er verdient jede Menge Geld; er heiratet eine andere Frau; er versucht, das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern – und überhaupt: Er lebt sein zweites Leben so, wie er sein erstes Leben – im Rückblick betrachtet – gern gelebt hätte.
Doch dann stirbt er erneut – und wacht wieder auf – und muss sein Leben noch einmal leben – und so weiter, und so weiter ... Vielleicht doch keine so prickelnde Vorstellung!? Vielleicht ist es ganz gut, dass wir nur einmal leben, dass unser Leben begrenzt ist, dass der Tod als ein „Land ohne Wiederkehr“ auf uns wartet.

Die Menschen im Alten Israel sahen das so. Sie erzählten sich die uralte Geschichte, wie es war, als der Tod in die Welt kam: Adam und Eva, die ersten Menschen, hatten vom Baum der Erkenntnis gegessen – und mussten nun mit den Folgen leben: mit Scham und Angst, mit Schmerz und Verzweiflung, mit Mühe und Arbeit, mit Sünde und Schuld. „Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner“, sagt Gott in dieser uralten Geschichte, „und weiß, was Gut und Böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!“ – darum wird er aus dem Garten Eden verwiesen, um die Erde zu bebauen, von der er genommen ist und zu der er wieder wird, wenn er stirbt (Genesis 3,22-23).
Der Tod: nach alttestamentlichem Verständnis Verhängnis und Gnade zugleich! Weil das Leben so ist, wie es ist, ist es gut, dass es nicht ewig dauert! Größtes Glück in dieser Perspektive: „alt und lebenssatt“ zu sterben, wie es von Abraham berichtet wird.

Aber der Tod in unserer Geschichte ist kein „guter Tod“. Ein junger Mann ist gestorben, fast noch ein Kind, einer, der sein ganzes Leben noch vor sich hat. Und – als wäre das nicht genug – er ist der einzige Sohn seiner Mutter und sie eine Witwe.
So verliert diese Frau nicht nur ihr Kind, sie verliert ihre Stütze, ihre Altersvorsorge, ihre Zukunft. Denn das war das Wenige, was sie noch vom Leben erwarten konnte: dass ihr Sohn sich um sie kümmert, wenn sie einmal alt und gebrechlich ist und nicht mehr für sich selber sorgen kann.
Eine Anhäufung trauriger Umstände also, wie sie schlimmer nicht sein könnten! Und so zieht ein Beerdigungszug, ein „Zug des Todes“ vor die Tore der Stadt. Wenigstens ist sie nicht allein, diese Frau, könnte man sagen. Eine große Menschenmenge begleitet sie, vielleicht ein Zeichen für ihre Beliebtheit. Aber was nützt ihr das? Tot ist tot, und ihr Kind gibt ihr keiner zurück!

Doch da begegnet diesem Zug des Todes ein anderer Zug, ein „Zug des Lebens“! Jesus ist auf dem Weg in die Stadt und auch ihn begleiten viele Menschen.
Vielleicht hat der Name dieses Ortes sie angelockt. Nain, das heißt: „die Schöne“. Die Stadt liegt an der Straße, die vom See Genezareth hinauf in die Ebene Jesreel führt. Vom See Genezareth, aus Kapernaum kommt auch dieser Zug des Lebens. Dort hatte Jesus kurz zuvor den todkranken Knecht eines römischen Hauptmanns geheilt, weil dessen Glaube ihm imponierte: „Sprich nur ein Wort – und mein Knecht wird gesund!“ (Lk 7,7). Solchen Glauben hatte Jesus in ganz Israel nicht gefunden (Lk 7,9).
Er wird ihn auch hier nicht finden! Wie auch? Was bleibt zu glauben, was kann man hoffen, wenn man unterwegs ist, sein eigenes Kind zu begraben!?

Was mich fasziniert, was mich begeistert an dieser Geschichte ist Folgendes: Jesus weicht dem Zug des Todes, der ihm hier entgegen kommt, nicht aus! Er lässt ihn nicht vorüber ziehen, er lässt ihn nicht links liegen. Jesus stellt sich der Situation. Er stellt sich dem Zug des Todes in den Weg und hält ihn an!
Und er erwartet nichts dafür: Keine Vorleistung. Nicht mal Glauben! Vom Glauben, dem großen Thema in diesem Kapitel des Lukasevangeliums, ist hier gerade nicht die Rede! Was soll sie auch glauben, diese Frau? Mit dem Tod des einzigen Sohnes endet doch jede Hoffnung!
So ist es nicht der Glaube der Frau oder ihrer Begleiter, der Jesus dazu bringt, dem Tod entgegenzutreten, sondern einzig und allein seine Liebe! „Als der Herr sie sah, erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: Weine nicht!“ (Lk 7,13)
Jesus sieht diese Frau! Und was er sieht, berührt sein Herz und weckt sein Erbarmen. Und weil Jesus nicht nur diese Fähigkeit des Herzens besitzt, sich zu erbarmen, sondern auch die Macht hat, das Schicksal zu ändern, kann er sagen: „Weine nicht!“ Sonst wäre das unerträglich! Einer trauernden Mutter das Weinen verbieten? Nein, das dürften wir nicht! Aber Jesus, der Sohn Gottes, kann seinem Blick und seinen Worten Taten folgen lassen: Er berührt die Bahre, auf der der Tote liegt, und bringt so den Zug des Todes zum Stehen!
Und dann sagt er das erlösende Wort: „Junge, ich sage dir, stehe auf!“

Die ersten Leser des Evangeliums haben hier ohne Zweifel das Wort „Auferstehung“ gehört! Das, wovon sie seit Ostern leben, das, worauf sie seit Ostern hoffen dürfen, wird hier zeichenhaft vorweggenommen! Der Tote richtet sich auf und beginnt zu reden. Die Kommunikation, die endgültig unterbrochen schien, kommt neu in Gang. Die längst verloren geglaubte Gemeinschaft ist wieder möglich!
Der Geschichtenerzähler Lukas drückt das so einfach wie eindrücklich aus: „Und er gab ihn seiner Mutter!“ Jesus gibt dieser Frau ihr Kind zurück – und damit eine Perspektive für die Zukunft, Hoffnung, dass das Leben weitergeht.

Und wie reagieren die Umstehenden, die Mitläufer in diesen beiden Menschenmengen? Zunächst einmal mit Furcht – was ich ganz natürlich finde! Das Kann einem schon Angst machen, wenn ein Toter plötzlich wieder aufsteht und lebt. Viele Bücher und Filme unserer Tage spielen mit dieser Angst.
Doch die Furcht dieser Leute verwandelt sich in Ehrfurcht. Und ihre Ehrfurcht hat einen Adressaten: „Sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden. Gott hat sein Volk besucht.“
Gott besucht seine Leute. „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns!“ heißt es in Johannes 1,14. In Jesus Christus wird Gott „an-schaulich“. In ihm sehen wir, wie Gott ist und was er für uns will: Leben!

Und wieder hören die ersten Leser des Evangeliums in diesen Worten das Wort „Auferstehung“! „Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden“ – das heißt eben nicht nur, dass da ein weiterer Bote Gottes sein Volk besucht. Einer, der – wie einst der Prophet Elia – sogar Tote auferwecken kann (1. Könige 17). Nein, hier ist mehr als Elia! Hier ist mehr als nur ein weiterer „Wundertäter“. Die gab es reichlich in der Antike. Auch solche, von denen erzählt wird, dass sie Tote auferweckten! Hier besucht Gott selbst sein Volk!
Und so weist auch dieses Wunder – wie alle Wundergeschichten der Evangelien – über sich selbst hinaus auf den, der es tut. Es ist ein Zeichen für das anbrechende Reich Gottes, für die Gottesherrschaft, die mit dem Kommen Jesu in die Welt beginnt.
Im folgenden Abschnitt wird Johannes der Täufer von all diesen Dingen erfahren und seine Jünger zu Jesus schicken und ihn fragen lassen: „Bist du es, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Und Jesus wird ihnen antworten: „Geht und meldet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taubstumme hören, Tote stehen auf, Arme empfangen Frohbotschaft, und glücklich der, der nicht an mir zu Fall kommt.“ (Lk 7,22-23).
Das Reich Gottes, die gute Zukunft, auf die ihr so lange gewartet habt, ist angebrochen. Und was ich tue, all diese Wunder, sind Zeichen dafür!
Auf dieser Ebene der Geschichte geht es also doch um Glauben! Wir sollen glauben, dass das stimmt! Dass das Reich Gottes wirklich angefangen hat! Dass eine neue Welt entsteht – mitten im Chaos, mitten in den Schmerzen, im Leid und Tod der alten!

Manfred Fischer, ein Autor unserer Tage, hat das so weitergedacht:
„Als sie aber die Geschichte Jesu hörten und wie es ihm ergangen war, da trieb sie die Frage um: Bist du, der da kommen sollte und mit dir das Gottesreich? Oder sollen wir eines anderen warten? Bist du es, Jesus, oder sollen wir das Warten bleiben lassen und uns abfinden mit dem, wie es eben ist?
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nehmt euch zu Herzen, was ihr hört und seht. Geht hin und sagt es den anderen weiter: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören. Die Botschaft der Gottesliebe wird weitergesagt.
Menschen horchen auf und verändern ihren Sinn. Verstoßene Kinder finden jemand, der sie liebt, farbige Studenten bekommen Zimmer, deutsche und türkische Kinder dürfen zusammen spielen.
In den Familien werden abends Gespräche geführt. Ehepartner blicken sich wieder in die Augen. Der Leistungsdruck lässt nach, der Konsum sinkt, man kann atmen in den Innenstädten, und Trabantenstädte werden wohnlich. Auf dem Rasen dürfen Kinder spielen,
Gettos gehören der Vergangenheit an. In Altersheimen lässt sich’s leben, Süchtige kommen los, Depressive legen die Schlaftabletten beiseite, Traurige lächeln, Verhärtete können weinen. Besserwisser hören zu, Gleichgültige falten die Hände.
Abgeordnete vertreten die Interessen der Schwachen und der Gegner kommt zu Wort. Kapital fließt in die Entwicklungsländer, Gespräche über Frieden sind ernst gemeint und haben spürbare Folgen.
Allen wird das Evangelium verkündigt: die Botschaft, dass Jesu Herrschaft die ganze Welt erneuert.“

Aber kann man das wirklich glauben? Konnten die Menschen damals das glauben? Klar: Jesus hat viele Kranke geheilt. Und diese Totenauferweckung ist auch nicht die einzige, von der erzählt wird. Und doch: Er hat Krankheit und Tod nicht abgeschafft! Nicht alle Blinden wurden sehend. Nicht alle Lahmen konnten gehen. Und wie viele Beerdigungen mag es nach diesem Tag noch gegeben haben in der schönen Stadt Nain?
Und trotzdem: Die Botschaft dieser Geschichte ist klar, Ein Ausleger formuliert sie so: „Wie Jesus den Jüngling zu seiner Mutter zurückgeführt hat, kann er uns im Namen Gottes ein neues Leben im Glauben schenken.“ (Francois Bovon)
Er kann dies tun, weil er selbst den Tod besiegt hat. Oder, um es theologisch exakter zu formulieren: Weil Gott seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, dürfen wir glauben, dass der Tod in dieser Welt nicht das letzte Wort haben wird! Gott hat sich auf die Seite des Lebens gestellt! Jesus hat für uns das Ticket für den Zug des Lebens gelöst! Wir brauchen nur einzusteigen und mitzufahren!
Das ist die große Hoffnung, von der wir leben! Das ist die Zukunft, die auf uns zukommt!
Aber was heißt das für die Gegenwart? Wer wechselt uns diese große Zukunft in die kleinen Münzen der Hoffnung, die wir im Alltag brauchen?
Das „wirkliche Leben“ ist doch so: Auch wenn wir mit Jesus im Zug des Lebens unterwegs sind – immer wieder begegnen uns andere Züge, Züge des Todes und der Hoffnungslosigkeit.
Und manchmal finden wir uns selbst unverhofft in einem solchen Zug wieder: Menschen sterben einen unzeitigen Tod. Es gibt Krankheit und Leid, Naturkatastrophen, Hunger, Krieg und Gewalt.
Da machen Kinder aus Jungschargruppen im Südwesten unseres Landes Jahr für Jahr Sponsorenläufe für Kinder-AIDS-Projekte in Südafrika. Doch die Zahl der AIDS-Waisen in diesem Land wird trotzdem in den nächsten Jahren auf 4 Millionen steigen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen dort wird von 60 auf unter 45 Jahre sinken. Eine Mitarbeiterin in einem AIDS-Projekt in Südafrika erzählte mir, dass es dort Frauen gibt, die es darauf anlegen, mit dem HIV-Virus infiziert zu werden, weil sie dann vom südafrikanischen Staat eine kleine finanzielle Unterstützung bekommen. Wie verzweifelt muss man sein, um so etwas zu tun!?
Und hier bei uns? Als Arbeitskreis Kinder im Gemeindejugendwerk beschäftigt uns schon länger das Thema „Kinderarmut“: 1,5 Millionen Kinder unter 18 Jahren gelten in Deutschland als arm. 1,1 Millionen davon leben von Sozialhilfe. Damit ist die Sozialhilfequote unter Kindern mit 7,2% doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der Armen an der Bevölkerung ist auch hier bei uns weiter gestiegen: von 12,1 % im Jahr 1998 auf 13,5% im Jahr 2003. Die reichsten 10% der Haushalte in unserem Land besitzen 47% des gesamtdeutschen Vermögens; die unteren 50% aller Haushalte können nur 4% davon ihr Eigen nennen!
Was bedeutet angesichts solcher Zahlen und Fakten – in Südafrika oder hier bei uns – eine biblische Geschichte wie diese? In einem Kommentar zum Lukasevangelium las ich, die „christliche Botschaft“ dieser Geschichte sei, dass Jesus, der heilende Messias, jede Situation meistern könne, weil er dieser hier nicht ausgewichen sei (Francois Bovon, EKK). Wer sich so, wie Jesus das tut, dem Tod in den Weg stellen kann – was soll für den unmöglich sein!?
Aber die Frage ist doch: Wie können wir Situationen wie diese meistern? Was können wir tun, wenn uns Armut, Krankheit, Leid und Tod begegnen?

Ich weiß nicht, an welcher Stelle der Geschichte du dich wiederfindest. Vielleicht bist du mit Jesus unterwegs. Vielleicht hast du dein Ticket für den Zug des Lebens in der Tasche – und es geht dir gut dabei. Das ist schön. So geht es mir im Augenblick auch. Was ich in dieser Situation aus dieser Geschichte von Jesus lernen will, ist, dem Leid, das mir trotzdem überall begegnet, nicht auszuweichen! Nicht wegzusehen, nicht vorbeizugehen, sondern auszuhalten!
Ich kann keine Toten auferwecken. Aber ich kann mit den Trauernden weinen. Ich kann sie trösten. Und ich kann ihnen von meiner Hoffnung und meinem Glauben erzählen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Das Zweite, was ich aus dieser Geschichte von Jesus lernen will, ist die Dynamik des Hinsehens und Handelns! „Und als der Herr sie sah“, heißt es in Vers 13, „erbarmte er sich über sie und sprach zu ihr: Weine nicht!“
„Hinsehen und Handeln“ – unter diesem Titel hat der verstorbene Hamburger Pastor Kurt Jägemann vor einigen Jahren die Anfänge der Sonntagsschularbeit in Deutschland beschrieben: Johann Gerhard Oncken, der Gründervater des Baptismus in Deutschland, kommt 1823 nach Hamburg. Er sieht das Elend der Arbeiterkinder in der Hamburger Vorstadt St. Georg. Und er handelt, indem er den Anstoß zur Gründung einer „Sonntagsschule“ nach englischem Vorbild gibt. Kinder, die sonst keine Chance auf Bildung gehabt hätten, können plötzlich Lesen und Schreiben lernen. Die „Sonntagsschule“ bietet ihnen ein Ticket für den Zug des Lebens! Und das neun Jahr bevor Oncken die erste Baptistengemeinde in Deutschland gründet!
Was seht ihr, wenn ihr durch die Straßen eurer Stadt geht? Was gäbe es für euch zu tun, wenn ihr nicht weg-, sondern hinsehen würdet? „Hinsehen und Handeln“ – das können wir von Jesus lernen!

Vielleicht findest du dich aber auch an einer ganz anderen Stelle der Geschichte wieder. Vielleicht siehst du dich nicht im Zug des Lebens auf dem Weg in eine gute Zukunft, sondern in diesem anderen, traurigen Zug. Vielleicht bist du mit Krankheit, Leid und Tod beschäftigt. Vielleicht weißt du nicht, wie es privat oder beruflich mit dir weitergehen soll. Vielleicht hast du Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Dann ist die Botschaft dieser Geschichte für dich ganz einfach diese: Jesus ist da! Vielleicht sagt er zu dir: „Weine nicht! Auch wenn du sie jetzt grad nicht sehen kannst: Du hast eine Zukunft, weil ich es bin, der auf dich zukommt!“ Vielleicht sagt er aber auch: „Weine ruhig! Du hast allen Grund dazu. Es ist OK! Ich bin da, nehme dich in den Arm, halte mit dir aus und tröste dich!“
Und wenn du jemanden brauchst, der mit dir weint und für dich da ist, dann wünsche ich dir, dass du ihn / dass du sie findest: vielleicht hier in dieser Gemeinde. Dafür ist sie schließlich da, die Gemeinde!

Vielleicht findest du dich sogar in diesem toten Jungen wieder. Vielleicht bist du in deinem Leben an eine Grenze gekommen, hinter die du nicht mehr zurück kannst. Vielleicht ist in deinem Leben etwas zu Ende gegangen, das unwiderruflich verloren ist.
Dann wünsche ich dir, dass du Jesus begegnest als einem, der zu dir sagt: „Stehe auf!“ Wenn er die Macht hat, die Toten ins Leben zurückzurufen – und am Ende der Zeit wird er genau das tun! –, dann kann er auch dich zurückholen ins Leben, dir neue Perspektiven eröffnen und dich „auferstehen“ lassen mitten im Alltag deines Lebens. Weil er dich liebt!

(c) Volkmar Hamp