"Glaubst du echt ans Material?"
Bausteine für einen Familiengottesdienst zu Apostelgeschichte 19,21-40



Ziel

Die folgenden Bausteine versuchen, den anschaulichen Text (Apostelgescichte 19,21-40) und das anspruchsvolle Thema (Umgang mit Geld) des Bibelsonntags möglichst „generationenübergreifend“ zugänglich zu machen. Kinder (etwa ab dem Schulalter), Teenager, Jugendliche und Erwachsene sollen gleichermaßen etwas „mitnehmen“ können aus dem Gottesdienst.
Dabei liegt für die Kinder der Schwerpunkt auf der Veranschaulichung der Geschichte (siehe dazu die Bausteine 1,2 und 6), während für die Älteren die Auseinandersetzung mit dem Bibelsonntagsthema im Vordergrund steht (siehe dazu die Bausteine 3, 4 und 5).
Doch auch bei den Kleinen sollte sich einprägen, dass Gott eine Option für die Armen hat und von seinen Leuten einen verantwortlichen Umgang mit Geld und Besitz erwartet! Ideal wäre es, wenn im Rahmen des Gottesdienstes Kinder und Erwachsene, Teenager und Jugendliche hierüber miteinander ins Gespräch kommen würden (siehe dazu die Bausteine 4, 5 und 6).


Bausteine

1. Erzählvorschlag

Die Geschichte sollte möglichst anschaulich erzählt werden. Vielleicht können MitarbeiterInnen oder Kinder vorher Bilder zur Geschichte malen, die während des Erzählens gezeigt werden. Oder die Geschichte wird durch Bilder von den Ausgrabungen in Ephesus veranschaulicht ...
Ein guter Erzählvorschlag findet sich bei Irmgard Weth, Neukirchener Erzählbibel. Mit Bildern von Kees und Michiel de Kort. Kalenderverlag des Erziehungsvereins Neukirchen-Vluyn 1998 (ISBN 3-920524-51-9), Seite 427-430.


2. Spielszene zu Apostelgeschichte 19,21-40

Die Spielszene kann in die Erzählung (s.o.) integriert werden oder für sich stehen. Es spielen zwei Teenager (Claudius & Lydia), die den Aufruhr in Ephesus miterlebt haben und nun darüber reden ...

Claudius und Lydia laufen durch den Raum nach vorne.
Claudius (noch völlig außer Atem): Wow! Da war ja mächtig was los im Stadion! Hast du so was schon mal erlebt, Lydia?
Lydia (ebenfalls völlig außer Atem): Nein, Claudius! Ich bin noch ganz außer Atem! Wann hier wohl das letzte Mal so viele Leute auf den Beinen waren?
Claudius: Hier in Ephesus? Noch nie! Das war absolut einmalig!
Lydia: Wahrscheinlich hast du Recht! Und die meisten wussten wohl nicht mal, worum es eigentlich ging!
Claudius: Ja, den Eindruck hatte ich auch! Die sind einfach nur mitgelaufen, weil alle mitgelaufen sind!
Lydia: Ja. Das hat der alte Demetrius wirklich gut hingekriegt! All diese Leute zu mobilisieren, nur damit ihm keiner sein Geschäft kaputt macht!
Claudius: Wie meinst du denn das, Lydia? Was hat denn der Demetrius damit zu tun?
Lydia: Na, überleg doch mal! Was haben die alle geschrieen?
Claudius: Das hab ich noch genau im Ohr: „Groß ist die Diana der Epheser! Groß ist die Diana der Epheser!“
Lydia: Jawohl! Und das zwei Stunden lang! Ohne Unterbrechung! Selbst der gute Alexander hat sie nicht beruhigen können!
Claudius: Na ja, den haben ja auch die Juden vorgeschickt!
Lydia: Stimmt genau! Darum hat der ja auch nichts erreicht! Da musste erst der Kanzler höchstpersönlich auflaufen, um das Volk zu beruhigen. Die Juden glauben ja auch nicht an unsere Götter! Genau wie dieser Paulus!
Claudius: Paulus? Wer ist denn das?
Lydia: Was? Du kennst den Paulus nicht? Na, hör mal! Um den ging der ganze Aufruhr doch!
Claudius (grübelt): Paulus? Paulus? ... Nein, der Name sagt mir nichts!
Lydia (klopft ihm aufmunternd auf die Schultern): Macht ja nichts! Du hast ja mich! Und ich hab die Rebekka, meine jüdische Freundin. Die hat mir das so erklärt: Also, dieser Paulus, der ist auch Jude. Aber der gehört irgend so einer jüdischen Sekte an, die sie die „Christen“ nennen. Die verehren diesen „Christus“ als „Sohn Gottes“. In ihm, behaupten sie, hat Gott selbst sein Volk besucht, um es zu erlösen! Und nicht nur sein Volk, sondern alle Menschen!
Claudius: Alle Menschen? Wieso denn das?
Lydia: Ja, dieser Paulus behauptet, dass es überhaupt nur einen Gott gibt, nämlich den unsichtbaren Gott der Juden. Alle anderen Götter, sagt er, sind wertlos! Von Menschen angefertigte Götzenbilder!
Claudius (empört): Aber das ist doch Quatsch! Jeder weiß doch, dass das Standbild der Diana in deren Tempel kein Menschenwerk ist, sondern vor vielen Jahren so vom Himmel fiel!
Lydia: Ja, das stimmt schon! Und dann haben sie diesen prächtigen Diana-Tempel darum herum gebaut ... Aber was ist mit den vielen anderen Bildern der Diana? Und mit den kleinen, silbernen Tempelnachbauten, die die Leute sich so auf ihre Hausaltäre stellen? Wohnt darin auch die Göttin?
Claudius (überlegt): Nee, das kann ich mir nicht vorstellen! Das sind doch nur Nachbildungen!
Lydia (auftrumpfend): Stimmt genau! Aber der Demetrius und die anderen Silberschmiede verdienen ein Heidengeld mit dem ganzen Plunder!
Claudius: Du meinst ...
Lydia: Na, klar! Die haben den ganzen Aufruhr inszeniert, weil dieser Paulus mit seiner Lehre ihnen das Geschäft ruiniert! Überleg doch mal: Wenn die Leute nicht mehr an Diana und ihre Abbilder glaubten, sondern an einen „unsichtbaren“ Gott – wer würde denn dann noch Geld für silberne Miniaturtempel und Götterstatuen ausgeben?
Claudius: Hm ... Ja, da hast du eigentlich Recht! Meine Oma hat sich auch so ein Teil gekauft. Und du weißt ja: Die hat wirklich nicht viel Geld ...
Lydia: Und mein Vater sagt: „Dieser Paulus mit seinem ‚unsichtbaren Gott’, der ist schon ein bisschen verrückt. Aber wo er Recht hat, hat er Recht: Dieser ganze religiöse Souvenirhandel, der soll doch bloß den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen! Und die Silberschmiede verdienen sich eine goldene ... äh ... silberne Nase daran!“
Claudius (nickt): Na, da können wir ja fast dankbar sein, dass der Kanzler das Volk am Ende doch beruhigen konnte und sie diesen Paulus nicht gelyncht haben!
Lydia: Ja, das stimmt. Hoffentlich sind dadurch auch einige Anhänger der Diana ins Nachdenken gekommen. Man muss ja nicht gleich Christ werden, um diesen ganzen Zauber nicht mehr mitzumachen!
Claudius: Hm ... Ich weiß nicht ... Dieser Paulus täte sicher gut daran, möglichst bald von hier zu verschwinden. Demetrius und seine Leute geben sicher nicht so schnell klein bei ...
Lydia: Ja, da hast du Recht! Ich werde morgen mal Rebekka danach fragen, aber mich würde es nicht wundern, wenn der dann schon über alle Berge ist! Bis solche Ideen sich hier durchsetzen, das dauert sicher noch ein paar Jahre ...
Claudius (lacht): Ja, so richtig gerne gibt ja niemand seine alten Götter auf, oder!?


3. Lied: „Glaubst du echt ans Material?“ (Arno & Andreas)

Wirklich neu war die Botschaft des Paulus, die in Ephesus für solch einen Aufruhr sorgte, ja eigentlich nicht. Ein paar Jahrhunderte zuvor hatten die Propheten in Israel längst den einen, lebendigen Gott den toten Götzen der anderen Völker gegenüber gestellt (vgl. z.B. Jesaja 44,6-22). Das jüdische Volk lebte diesen Glauben, aber es entwickelte keinen missionarischen Eifer. Es „exportierte“ seinen Glauben nicht. Nur wenige Nichtjuden traten zum Judentum über und brachen mit ihren alten Göttern.
Ganz anders die Christen, allen voran Paulus! Sie wussten sich zu den Völkern gesandt. Sie wussten: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1. Timotheus 2,4). Der neue Weg stellte die alten Traditionen und Glaubensvorstellungen in Frage ...
Das Lied kann gesungen oder von CD vorgespielt werden. Musikbegeisterte Kids könnten auch einen Rap daraus machen und diesen vortragen. Der lange, schnelle Text eignet sich gut für diese Art der Präsentation!


4. Aktion: Bibelverse zum Thema „Umgang mit Geld“

Vor dem Gottesdienst werden auf postkartengroße Pappen geklebte Schokoladentaler auf die Plätze verteilt. Auf den Rückseiten einiger dieser Pappen stehen Bibelverse zum Thema. An der dafür vorgesehenen Stelle im Gottesdienstverlauf dürfen diejenigen, die einen solchen Bibelvers auf ihrem Platz gefunden haben, nach vorne kommen und die Bibelverse verlesen. Es folgen Augenblicke der Stille, in denen die Gottesdienstbesucher über das Gehörte nachdenken können:
  • Welcher Bibelvers hat mich beeindruckt?
  • Welchen Vers habe ich ganz neu für mich gehört?
  • Was bedeuten diese Aussagen für mein alltägliches Leben, für meinen Umgang mit Geld und Besitz?

Mögliche Bibelverse:
„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“
(Matthäus 6,19-21)
„Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
(Matthäus 6,24)
„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
(Matthäus 25,40)
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden?“
(Markus 8,36)
„Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach.“
(Markus 10,21)
„Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!“
(Markus 10,23)
„Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“
(Markus 10,25)
„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“
(Markus 12,17)
„Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer!“
(Lukas 6,20)
„Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt.“
(Lukas 6,24)
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“
(Lukas 10,27)
„Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.“
(Apostelgeschichte 2,44-45)
„Jetzt helfe euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit danach auch ihr Überfluss eurem Mangel abhelfe und so ein Ausgleich geschehe.“
(2. Korinther 8,14)
„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“
(2. Korinther 9,7)


5. Aktion: „Woran du dein Herz hängst – ist das dein Gott?“

Martin Luther hat das „Fremdgöttergebot“ aus dem Dekalog: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ (Ex 20,3 / Dtn 5,7) unter der Voraussetzung eines inzwischen selbstverständlich gewordenen Monotheismus positiv interpretiert:
„Du sollst Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen“ (Kleiner Katechismus). Dabei verstand er als möglichen „Gott“ alles, an das man „sein Herz hängen“ kann (Großer Katechismus).

Woran hängen wir unser Herz?
Jede/r Gottesdienstteilnehmer/in bekommt ein großes, rotes Pappherz. Darauf kann er/sie schreiben oder malen, was sein/ihr Herz bewegt, was ihm/ihr auf dem Herzen liegt, woran sein/ihr Herz hängt, was ihm/ihr wichtig ist ... Das können Personen, materielle Dinge, Gedanken und Ideen u.v.a.m. sein.
Die fertig gestalteten Herzen werden an einer durch den Raum gespannten Wäscheleine aufgehängt oder vorne an einer Wand zu einem großen Herzen zusammengestellt.
Alle diese Dinge sind wichtig, brauchen ihren Raum und haben ihr Recht! Und trotzdem sollen wir sie nicht zu unseren „Götzen“ machen.
Welchen Raum nimmt Gott in unserem Herzen ein? Und wie beeinflusst das unseren Umgang mit all den anderen Dingen, die wir „auf dem Herzen haben“?
Eine kurze Gesprächsphase in Kleingruppen oder einige Gedanken von vorne schließen die Aktion ab.


6. Bastelidee: „Geldbeutel“

Während der Predigt / des Gottesdienstes basteln die Kinder Geldbeutel aus Leder. Entsprechend vorbereitete Lederstücke werden am Rand mit Löchern versehen (Lochzange!), durch die dann ein Lederband oder eine Kordel gezogen wird, mit deren Hilfe der „Geldbeutel“ verschlossen werden kann. Mit diesen „Geldbeuteln“ können die Kinder dann die Kollekte einsammeln.
Oder Gemeindemitglieder, die sich bereit erklären an einer besonderen Aktion teilzunehmen, bekommen dafür als symbolische Anerkennung einen „Geldbeutel“ überreicht.

Mögliche Aktionen:
  • Drei Monate lang wirklich einmal „den Zehnten“ abzugeben für Menschen in Not oder diakonisch-missionarische Projekte der Gemeinde.
  • Einen Monat lang von Hartz 4 leben – und das übrig bleibende Geld einem Arbeitslosenprojekt zur Verfügung stellen.
  • An einem Sponsorenlauf zugunsten eines Kinderprojektes teilnehmen.
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(c) Volkmar Hamp