Jesus und seine Verwandten (Markus 3,31-35)
Eine Adventspredigt



Ein typischer Adventstext ist das nicht!
Advent, das heißt Ankunft. In der Adventszeit warten wir – jedes Jahr wieder – auf die Ankunft Gottes in dieser Welt. Und dann feiern wir Weihnachten: die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus.
In der Adventszeit erinnern wir uns aber auch daran, dass dieser Jesus einmal wiederkommen wird. Dass die Gottesherrschaft, deren Anbruch er vor 2.000 Jahren angekündigt hat, dann endgültig Wirklichkeit wird. Dass Gott alle Tränen abwischen, alles Leid beenden und den Tod abschaffen wird. Dass er einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft, in denen er selbst dann alles in allem ist. Was für eine Zukunft, die wir da erwarten!

Auch in unserem Bibeltext warten Menschen auf Jesus: Seine Mutter und seine Brüder stehen draußen vor dem Haus, in dem er sich aufhält, und warten darauf, dass er herauskommt. Sie haben ihn rufen lassen – und nun warten sie, dass er ihrem Ruf folgt.
Ich frage mich: Warum? Warum stehen Jesu Mutter und seine Brüder eigentlich draußen vor der Tür? Warum gehen sie nicht selbst in das Haus, um mit Jesus zu sprechen, sondern schicken einen Boten? Nur wegen der vielen Leute? Oder weil das Leute sind, zu denen man eben nicht geht? Leute mit zweifelhaftem Ruf vielleicht – jenes Klientel eben, mit dem Jesus sich vorzugsweise abgibt.
Ich frage mich auch: Warum sind die Mutter Jesu und seine Brüder nicht schon längst bei Jesus? Sie sind doch seine Familie! Die Menschen, die ihm, biologisch betrachtet, am nächsten stehen. Sollten nicht gerade sie in seiner Nähe sein? Was für eine Distanz, was für ein Abgrund zwischen Jesus und seinen nächsten Verwandten tut sich hier auf?

Neu ist das den ersten Lesern des Markusevangeliums nicht! Zwar kennen sie vermutlich nicht die Geschichte vom 12-jährigen Jesus im Tempel. Die erzählt nur Lukas und deutet so schon sehr früh den sich abzeichnenden Konflikt zwischen Jesus und seiner Familie an.
Aber Markus berichtet ein paar Verse vorher schon einmal von einer ganz ähnlichen Begebenheit wie dieser hier: Jesus erregt Aufsehen. Die Massen laufen ihm zu. Da machen seine Angehörigen sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen. Sie sagen. „Er ist von Sinnen! Verrückt! Total durchgeknallt!“
Vielleicht war Jesu Verwandten da schon klar: „Mit seiner Botschaft von der Gottesherrschaft bringt Jesus nicht nur sich selbst, sondern auch uns in Gefahr! Die neue Welt- und Werteordnung, die er nicht nur predigt, sondern auch noch selber lebt, wenn er sich mit Zöllnern und Sündern abgibt, wird die religiöse und politische Führungselite nicht hinnehmen. Juden wie Römer! Besser, wir schieben dem schnell einen Riegel vor!“

Doch Jesus lässt sich davon nicht beirren! Er nimmt den Konflikt mit seiner Familie in Kauf. „Er macht sein Ding!“, würden wir heute sagen. Er tut, was er von Gott her für richtig hält. Und das bedeutet ihm mehr als familiäre Bande und verwandtschaftliche Solidarität.
Nicht ohne Grund nennt er
Gott seinen „Vater im Himmel“ – und benutzt dafür ein Wort, das im Hebräischen fast so etwas wie ein Kosewort ist: Abba, das heißt: Papa, Vati!
Liebevoller und mit mehr Zuneigung kann man seinen Vater nicht ansprechen. So spricht nur einer, der Gott als liebenden Vater kennen gelernt hat. Aus dieser Gotteserfahrung heraus lebt Jesus sein Leben. Von dieser Liebe ist seine Botschaft geprägt. Mit dieser Liebe begegnet er den Menschen, die sonst keiner liebt – und macht sich damit im Blick auf seine eigene Verwandtschaft zum Außenseiter.

Doch war das wirklich nötig? Ich muss gestehen: Als ich vor einigen Wochen diesen Text nach längerer Zeit mal wieder bewusst wahrgenommen habe, kam mir das Verhalten Jesu erst einmal reichlich sonderbar vor. Wie das eines 15-jährigen Teenagers, der sich von seiner Familie abgrenzen muss, um zu seiner eigenen Identität zu finden. Nicht wie das eines erwachsenen Mannes, der sich mit seiner Biografie auseinandergesetzt und versöhnt hat!
Und irgendwie passt dieses Jesusbild auch nicht zu diesem anderen Jesus, wie er uns zum Beispiel im Johannesevangelium begegnet. Zu einem Jesus, der sich noch sterbend am Kreuz liebevoll um die Altersvorsorge für seine Mutter kümmert!
Und gehörte später nicht doch zumindest einer seiner Brüder, Jakobus, zum Kernkreis der entstehenden Urgemeinde?

Und ich denke (etwas ketzerisch): Vielleicht wäre Jesus kein Zacken aus der Heilandskrone gebrochen, wenn er in dieser Situation hier aufgestanden und hinausgegangen wäre, um sich mit seiner Familie auseinanderzusetzen. Meinetwegen nachdem er die Prioritäten klargestellt und seine neue Definition von Familie verkündigt hat.
Darum bin ich ganz froh, dass unser Text eigentlich kein richtiges Ende hat. Ich stelle mir vor, dass Jesus – nachdem er gesagt hat, was zu sagen war – aufsteht, zu seiner Mutter und zu seinen Brüdern geht und ihnen mit derselben Zuneigung und Liebe begegnet, die er auch den „Verlorenen“, zu denen er sich gesandt weiß, entgegenbringt.
Aber das ist natürlich reine Spekulation! Wunschdenken! Aber ein frommer Wunsch, wie ich finde. Also: Warum nicht!?

Dass solch ein versöhnlicher Schluss hier fehlt, macht freilich deutlich, dass es Markus gar nicht in erster Linie um Jesus und seine Verwandten geht, sondern um eine Erfahrung, die die ersten Leser seines Evangeliums betrifft: Wer sich zu Jesus hält, das haben sie schnell gemerkt, muss unter Umständen Konflikte mit den Lebensbezügen, aus denen er kommt, in Kauf nehmen!
Manchmal werden das in der Tat Familienkonflikte gewesen sein. Vor allem aber Konflikte mit der Synagoge. Mit einer jüdischen Tradition, die sich schwer damit tat, die Freiheit des Evangeliums zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass plötzlich gerade denen einen Zugang zu Gott eröffnet wird, denen dieser im Judentum verwehrt ist: den Sündern, den Unreinen, den Ausgestoßenen, den Gottfernen, den Heiden. Uns!
Und dies ohne den Umweg über das Judentum, über die Beschneidung und das Befolgen des jüdischen Gesetzes!

Später kamen Konflikte mit den politischen Machthabern hinzu: Wer Jesus, den Sohn Gottes, und seinen Vater im Himmel anbetet, kann seine Knie nicht mehr vor anderen Göttern oder Menschen, die sich als Götter verehren lassen, beugen. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!“ – das heißt auch: Gebt ihm nicht das, was allein Gott zusteht!
So geht schon bald ein Riss durch die antike Welt. Ein Kampf der Kulturen und Religionen, aus dem, zumindest was die westliche Welt betrifft, im 4. Jahrhundert nach Christus erst einmal das Christentum als Sieger hervorgeht – mit allen Konsequenzen, die ein solcher Sieg mit sich bringt: Machtzuwachs und Machtmissbrauch, gute christliche Werte auf der einen Seite, aber auch eine gewisse „Siegermentalität“ auf der anderen: Zwangsmissionierung, Hass und Gewalt im Namen Christi!

Und immer wieder die Frage: War das wirklich das, was Jesus wollte mit seiner guten Nachricht von der anbrechenden Gottesherrschaft, die sich quer stellt zu aller Herrschaft von Menschen über Menschen? Er predigte das Reich Gottes – und was kam, war die Kirche!?

Schauen wir genauer hin: Was tut Jesus, wenn er hier der „normalen“, biologischen Familie eine andere Art von Familie gegenüberstellt? Wenn er den Familienbegriff neu definiert und damit erweitert: ihn durchsichtig macht für die Wirklichkeit Gottes?

Das deutsche Wort „Familie“ kommt aus dem Lateinischen: von „familiar“ – „vertraut“. Familie, das sind die Menschen, mit denen man vertraut ist, auf die man sich verlassen, denen man vertrauen kann. So sollte es zumindest sein! Ein 13-jähriges Mädchen hat ihre Vorstellung von Familie kürzlich so auf den Punkt gebracht: „Familie ist, wo man nicht rausgeworfen wird!“ Familie ist, wo man nicht rausgeworfen wird. Das ist unser Familienideal – wie immer die konkreten Familienformen dann auch aussehen.

In seine Herkunfts- oder Ursprungsfamilie wird man hinein geboren. Und man bleibt Teil dieser Familie, bis man stirbt. Wenn alles seinen normalen Gang geht, gibt man einen Teil von sich selbst – seine Gene, seine Erfahrung, sein Wissen, seine Werte – an seine Kinder weiter und sorgt damit – von Generation zu Generation – dafür, dass das Leben weitergeht.
Und das ist gut so! Gott selbst hat sich das so ausgedacht! Die Weitergabe des Lebens von einer Generation zur nächsten ist Teil der guten Schöpfungsordnung Gottes!

Das wird sehr schön deutlich, wenn man in der sog. „Urgeschichte“ in den ersten elf Kapiteln der Bibel die Geschlechtsregister der Vorfahren Abrahams liest oder zu Beginn der Evangelien im Neuen Testament die Stammbäume Jesu: Diese – zugegeben – etwas drögen Listen machen klar: Gott verfolgt im Rahmen dieser natürlichen Ordnung des Aufeinanderfolgens der Generationen seinen Plan mit seinem Volk und mit dieser Welt. Sie ist Ausdruck des Segens, unter den Gott von Anfang an seine Welt und in besonderer Weise die Menschheit gestellt hat.

Zugleich wissen wir aber auch, dass diese Segensgeschichte sich nur gebrochen und unvollkommen gestaltet. Das meinen wir, wenn wir von „Sünde“ sprechen. In diesem Begriff steckt ja das Wort „Sund“. Es meint, dass da ein Riss durch die gute Schöpfung Gottes geht, ein Abgrund, der Menschenwelt und Gottes Welt voneinander trennt.
Und so hinken wir alle auch dem Familienideal hinterher, das den guten Schöpfungsgedanken Gottes entspricht: Wie in der Familie Jesu, gibt es auch in unseren Familien Konflikte und Streit. Viel zu oft sind Familien gerade nicht der Raum des Vertrauens, der sie – vom Wort und von der Idee her – sein sollten. Familien zerbrechen. Familienformen wandeln sich. Und wenn jenes 13-jährige Mädchen formuliert: „Familie ist, wo man nicht rausgeworfen wird!“, dann stehen dahinter vielleicht genau solche Erfahrungen. Es könnte sein, dass dieser Teenager mit einem solchen Satz für sich selbst eine neue Familie erfindet: einen Kreis von Vertrauten, aus dem sie eben nicht ausgeschlossen wird!

Genau dies tut Jesus auch: Er erfindet eine neue Familie. Der natürlichen, biologischen Familie in allen ihren Formen stellt er die neue Familie Gottes gegenüber, in der es um mehr geht als um das Aufeinanderfolgen der Generationen und die Weitergabe des Lebens von einer Generation zur nächsten. In dieser Familie geht es um das Reich Gottes.

Nicht ohne Grund umschreibt die Bibel das Christ werden mit dem Bild einer „neuen Geburt“: Wer Christ wird, wird hinein geboren in ein neues Leben. Und damit wächst ihm eine neue, eine zweite Familie zu – mit einem großen Bruder, der so gar nichts „Big Brother“-mäßiges an sich hat, und einem Vater, der nicht nur hin und wieder Liebe gibt, sondern selbst die Liebe ist!

Und wie wird man nun Teil dieser neuen Familie Gottes? Die Antwort unseres Textes ist so schlicht wie überraschend: „Wenn wir den Willen Gottes tun!“ Oder, wie Lukas es in seinem Evangelium formuliert: „Wenn wir das Wort Gottes hören und uns daran halten!“

Eigentlich müsste jetzt ein Aufschrei der Entrüstung durch eure Reihen gehen – oder doch zumindest ein unwilliges Raunen. Haben wir nicht alle – zunächst von Paulus, dann von Luther, dann von unserem Pastor – gelernt, dass wir gerade nicht durch „gute Werke“, sondern allein durch den Glauben selig werden? Und ist dem gegenüber das, was Jesus hier formuliert, nicht lupenreine „Werkgerechtigkeit“? Als könnten wir uns die Zugehörigkeit zur Familie Gottes durch gute Taten verdienen?

Ich denke nicht, dass das so gemeint ist. Der Wille Gottes, das „Auf sein Wort hören und es auch tun“, das schließt ja mit ein, dass wir uns und unser Leben Gott anvertrauen und dass wir dann – aus diesem Vertrauen heraus – „ver-antwortlich“ leben: Gott, uns selbst, anderen Menschen und der gesamten Schöpfung gegenüber.
Aber genau das ist der Punkt: Glaube, Vertrauen in die guten Absichten Gottes mit uns und mit seiner Schöpfung, das beinhaltet immer auch, dass wir einander und dieser Welt gut tun, dass wir es gut meinen miteinander. „Was ihr einem der geringsten meiner Brüder (oder Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan!“ sagt Jesus. Und in seiner großen Gerichtsrede in Matthäus 25 wird genau dies zum Kriterium für den Zugang zum „ewigen Leben“.

„Glaube ohne Werke ist tot“ wird Jakobus später schreiben. Und er hat Recht! Wenn unser Glaube keinen Unterschied mehr macht für unseren Umgang mit uns selbst, mit anderen Menschen und mit dieser Welt, dann brauchen wir ihn nicht, dann ist er tot, dann hilft er keinem mehr zum Leben!
Darum ist Glauben im Sinne Jesu Christi und der Bibel eben nicht das Für wahr halten bestimmter Glaubenssätze, sondern ein Akt des Vertrauens: Ich vertraue mich und mein Leben der Gnade und Fürsorge Gottes an. Und aus dieser Erfahrung heraus, dass Gott sich um mich kümmert und für mich sorgt, kann ich mich nun auch um andere kümmern und für sie sorgen.
So entsteht die neue Familie Gottes, der Raum des Vertrauens, den wir Gemeinde nennen. So werden wir zu Brüdern und Schwestern Jesu Christi, zu einer „Familie“, aus der – hoffentlich! – niemand rausgeworfen wird.

„Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester“, sagt Jesus – „und Mutter.“ An diesem letzten Wort bin ich hängen geblieben. Bruder und Schwester – okay! Und Gott ist der Vater im Himmel. Aber Mutter?
Von „Vätern und Müttern in Christus“ hat man früher gesprochen. Wohl dem, der in seinem Leben solchen Menschen begegnet ist. Das können die eigenen Eltern gewesen sein oder ältere Geschwister aus der Gemeinde. Menschen, die einen teilhaben lassen an der eigenen Lebens- und Glaubenserfahrung – und einem so den Start in der neuen Familie Gottes erleichtern. Vielleicht ist das hier gemeint ...

Aber ich bin noch auf einen anderen Bibeltext gestoßen – und damit schließt sich der Kreis zum Anfang und unsere Geschichte wird endgültig zu einer Adventsgeschichte!
Im Galaterbrief, Kapitel 4, kommt Paulus auf Ismael und Isaak zu sprechen, die beiden Söhne Abrahams. Noch so eine Familiengeschichte. Patchwork. Ein Vater, zwei Mütter, zwei Söhne. Konflikte, Streit. Trennung.

Doch Paulus interpretiert diese alttestamentliche Familiengeschichte höchst eigenwillig und kreativ: Er stellt Ismael, den Sohn der Hagar, Isaak gegenüber, dem Sohn der Verheißung. „Der Sohn der Sklavin (Hagar)“, schreibt er, „wurde auf natürliche Weise gezeugt, der Sohn der Freien (Sara) aufgrund der Verheißung.“ (Vers 23)
Ihr kennt die Hintergründe: Sara, Abrahams Frau, konnte keine Kinder bekommen. Da beschließt sie, ihrem Mann die Sklavin Hagar als Zweitfrau zu geben, damit sie ihm den ersehnten Nachkommen schenkt. Antike Leihmutterschaft sozusagen – und durchaus üblich im alten Israel. Dann klappt es doch noch mit dem eigenen Nachwuchs. Isaak wird geboren – und plötzlich ist der kleine Ismael, der Sohn Hagars, ein unwillkommener Konkurrent um das Erbe Abrahams.

Paulus nimmt nun diese beiden Frauen und macht sie zum Bild für das irdische und das himmlische Jerusalem: „Hagar“, schreibt er, „ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem (für das Volk Israel also), das mit seinen Kindern in Knechtschaft lebt.“ (Vers 25) Sara aber, fährt er fort, ist ein Bild für das himmlische Jerusalem, für die neue Gottesfamilie, für das Reich Gottes, das auf uns zukommt. Sie, schreibt Paulus, ist frei. Und dann folgt ein seltsamer Satz: „,Dieses Jerusalem ist unsere Mutter.“ (Vers 26).

Was für ein Bild! Das „himmlische Jerusalem“, die von Gott verheißene neue Welt, das Reich der Freiheit, das mit dem Kommen Jesu in diese Welt angebrochen ist und mit seiner Wiederkehr endgültig aufgerichtet werden wird – das ist unsere Mutter! Da kommen wir her!
Als Christen sind wir Kinder der Zukunft. Wir leben hier und heute schon ein Stück „Himmel auf Erden“. Wir sind hinein geboren in ein Reich der Freiheit. „Nicht Kinder der Sklavin, sondern Kinder der Freien“, wie Paulus schreibt.

Auch das ist Advent: Wir warten auf den Christus und die Gottesherrschaft, ja. Und wir sind realistisch genug, um festzustellen: Noch ist es nicht so weit! Noch ist alles, was wir hier von Gott und seinem Reich wahrnehmen unvollkommen und gebrochen.
Und trotzdem dürfen wir so leben, als wäre Gottes Reich schon da! Das, was auf uns zukommt, die gute Zukunft Gottes, kann schon jetzt unser Leben, unsere Familien, unsere Gemeinden und diese Welt prägen!

Als Befreite ziehen wir los und setzen andere in Freiheit. Als Menschen, die Zukunft und Hoffnung haben, bringen wir Zukunft und Hoffnung in diese Welt. Als Kinder Gottes lehren wir unsere Kinder, was es heißt auf Jesus zu vertrauen und mit ihm zu leben. Als von Gott veränderte Menschen verändern wir die Welt, in der wir leben.

Ich wünsche euch – und mir – eine Adventszeit, in der Gott und sein Reich ankommen können: bei mir und bei euch. Und durch euch und mich bei den Menschen, denen wir in dieser Zeit begegnen: in unseren Familien, in den Schulen, in die wir gehen, und an unseren Arbeitsplätzen. In der Gemeinde und allen anderen Bezügen, in denen wir leben.

Dass Menschen erleben und spüren: Hier weht ein anderer Wind! Hier hat sich eine Tür geöffnet zum „himmlischen Jerusalem“. Hier sind Menschen, deren Leben erschöpft sich nicht im Hier und Jetzt und in der Aufeinanderfolge der Generationen. Hier gibt es eine Familie, aus der man nicht heraus geworfen wird. Hier sind Leute, die kümmern und sorgen sich, die leben die Freiheit der Kinder Gottes und setzen andere in Freiheit. Hier ist das Reich Gottes nicht nur Zukunftsmusik, sondern der Soundtrack für das alltägliche Leben. Hier sind Menschen, die machen es wie Gott: Sie werden Mensch und sind für andere Menschen da!

In diesem Sinne: eine gesegnete Adventszeit!

(c) Volkmar Hamp