„Das Beste, was ein Mensch tun kann, ist essen und trinken…“ (Pred 2, 24)
Einige biblisch-theologische Anmerkungen zu einem ganz alltäglichen Thema


Essen und Trinken gehört zu den Grundfunktionen menschlichen (und tierischen) Lebens. Kein Wunder, dass beides – wie alles zutiefst Menschliche – auch in der Bibel eine große Rolle spielt.

Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist davon die Rede: Gott versorgt den Menschen mit allem, was er zum Leben braucht (1. Mose 1, 29). Von allen Bäumen im Garten darf er essen, nur von dem einen nicht (1. Mose 2, 16-17). Der sog. „Sündenfall“, das Sich-Trennen des Menschen von Gott, wird im Bild der Übertretung dieses „Nahrungsmitteltabus“ beschrieben. (1. Mose 3, 6). Die Folge: Von nun an muss sich der Mensch „im Schweiße seines Angesichts“ sein Brot verdienen (1. Mose 3, 19), und der Zugang zum Baum des Lebens ist ihm verwehrt (1. Mose 3, 22-24).

Auch auf den letzten Seiten der Bibel spielen Essen und Trinken wieder eine große Rolle: Das „neue Jerusalem“, die neue Stadt Gottes wird dort beschrieben, der Fluss mit dem “Wasser des Lebens“, an dessen Ufern „Früchte des Lebens“ wachsen, die zwölfmal im Jahr Frucht tragen, jeden Monat aufs neue (Offb 22, 1-2). „Glücklich werden alle sein, die ihre Kleider gewaschen haben. Sie dürfen durch die Tore in die Stadt hineingehen und die Früchte vom Baum des Lebens essen“ (Offb 22, 14). Und „jedem, der es haben möchte, wird Gott das Wasser des Lebens schenken“ (Offb 22, 17).

Im Spannungsbogen zwischen diesen Bildern aus „Urzeit“ und „Endzeit“ ist in der Bibel immer wieder vom Essen und Trinken die Rede. Und zwar nicht nur so neben her, sondern durchaus auch in theologisch wichtigen Zusammenhängen.

Der Geber aller Speise ist dabei immer Gott (Ps 136, 25). Er versorgt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen. So ist es kein Wunder, dass Geschichten, in denen Gott Menschen mit dem Lebensnotwendigen versorgt, im Alten wie im Neuen Testament eine große Rolle spielen:

  • Hagar und Ismael in der Wüste (1. Mose 21, 9-21)
  • Josef in Ägypten (1. Mose 41, 14-36)
  • Israel in der Wüste (2. Mose 16 und 17)
  • David bei Ahimelech in Nob (1. Sam 21)
  • Elia am Bach Krit und bei der Witwe in Zarpat (1. Kön 17)
  • Elisa hilft einer armen Witwe (2. Kön 4, 1-7), macht mit ein bisschen Brot hundert Leute satt (2. Kön 4 , 42-44) und hilft bei einer schweren Hungersnot (2. Kön 6, 24 - 7, 20)
  • Fünftausend werden satt (Mt 14, 14-21; Mk 6, 30-44; Lk 9, 10-17; Joh 6, 1-13)
  • Viertausend werden satt (Mt 15, 32-39; Mk 8, 1-10)
  • Gott sorgt für seine Leute (Mt 6, 22-34; Lk 12, 22-34)

Grund genug auch für uns, Gott immer wieder um unser „täglich Brot“ zu bitten (Mt 6, 11; Lk 11,3).

Aber nicht nur das Lebensnotwendige gibt Gott. Er gibt noch viel mehr. Darum ist in der Bibel vom Essen und Trinken auch immer dann die Rede, wenn es um Gemeinschaft und ums Feiern geht:

  • bei Abraham und den drei Fremden in Mamre (1. Mose 18, 1-15)
  • beim Passah, dem Fest zur Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten (2. Mose 13, 1-10)
  • beim Opferfest zur Einweihung des Tempels (1. Kön 8, 62-66)
  • bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12)
  • … und öfter

Für den Gast bedeutet das gemeinsame Essen die Aufnahme in die Haus- und Familiengemeinschaft. Die Mahlzeiten Jesu mit den Zöllnern und Sündern sind darum auch Zeichenhandlungen, in denen die Zuwendung Gottes zu den Verachteten und Ausgestoßenen zum Ausdruck kommt. Kein Wunder, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten sich darüber ärgern (Mt 9, 11).

Aber wenn Jesus mit seinen Freunden isst, dann bedeutet das noch mehr: Das endzeitliche Heil, die endgültige Versöhnung und Gemeinschaft mit Gott wird dadurch zeichenhaft vorweggenommen. Das Gleichnis vom großen Gastmahl (Mt 22, 1-10; Lk 14, 15-24) ist ein Bild dafür.

So kann schließlich auch Jesus selbst und das, was er für uns ist, in Bildern aus dem Bereich des Essens und Trinkens beschrieben werden, zum Beispiel in den bekannten „Ich bin“-Worten des Johannesevangeliums: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten“ (Joh 6, 35; vgl. auch 6, 41.48.51). Jesus gibt allen, die danach fragen, „das Wasser des Lebens“ (Joh 4, 10). Er ist der „wahre Weinstock“ (Joh 15, 1; vgl. 15, 5).

Zentrales Bild dafür ist das Abendmahl: In Brot und Wein kommt Jesus zu seinen Leuten, finden seine Leute zueinander und zu Gott. Aber auch jede andere Mahlzeit kann zum Zeichen der hereinbrechenden Gottesherrschaft werden, vielleicht gerade die Mahlzeiten, die wir mit den Kindern in unseren Gruppen erleben. Schließlich gehört den Kindern das Reich Gottes (Mt 19, 14; Mk 10, 14; Lk 18, 16). Wer sie aufnimmt, wer mit ihnen feiert und isst, der nimmt Jesus selbst auf (Mt 18, 5; Mk 9, 37, Lk 9, 48). Mahlzeiten mit Kindern sind darum immer „gesegnete“ Mahlzeiten!


Literatur:

  • Art. „Essen“ in Fritz Rienecker (Hrsg.), Lexikon zur Bibel, Wuppertal 1960, 377-378.
  • Sigrid & Horst Klaus Berg (Hrsg.) … und alle wurden satt. Vom Brot und anderen Lebens-Mitteln (Biblische Texte verfremdet 7). Stuttgart / München 1987.
  • Klaus Berger, Manna, Mehl und Sauerteig. Korn und Brot im Alltag der frühen Christen. Stuttgart 1993.
  • Peter Biehl u. a., Symbole geben zu Lernen II: Zum Beispiel Brot, Wasser und Kreuz. Beträge zur Symbol- und Sakramentendidaktik (Wege des Lernens 9). Neukirchen-Vluyn 1993.
  • Ursula Früchtel, mit der Bibel Symbole entdecken. Göttingen 1991.


(c) Volkmar Hamp

Aus: Jungscharhelfer 3/1997, S. 38-39.
Wieder abgedruckt in: Guck mal, wer da kocht! Rezepte aus aller Welt für Kinder und Erwachsene. Herausgegeben von Martina Schwarz, Volker Bohle, Volkmar Hamp. (c) 2008 Oncken: Medien für Gemeinden (SBN 978-3-87939-607-8).