Die Jünger Jesu (Markus 1,14-20)

König Herodes war sauer. Erst vor ein paar Tagen hatte er Johannes den Täufer, diesen Unruhestifter vom Jordan, ins Gefängnis werfen lassen. Scharenweise waren die Menschen zu ihm an den Fluss gepilgert und hatten seinen Worten gelauscht. „Ändert euch von Grund auf und kehrt um zu Gott, damit er euch eure Sünden vergeben kann!“
Pah! Von so einem dahergelaufenen Prediger ließ sich Herodes doch nicht seine Sünden vorhalten! Schließlich war er der König. Ein Unruhestifter war dieser Johannes. Weiter nichts. Und Unruhestifter gehörten ins Gefängnis.
Eigentlich hatte Herodes gedacht, dass die Angelegenheit damit erledigt wäre. Doch da hatte er sich wohl geirrt. Die beiden Spione, die verlegen vor ihm standen, berichteten etwas anderes.
„Oben im Norden, in der Provinz Galilaä, hat es angefangen“, sagte der eine. „Ein Zimmermannssohn aus Nazaret soll es diesmal sein.“
Und der andere fügte hinzu: „Man hat ihn bei diesem Johannes gesehen. Einige sagen, er habe sich von ihm taufen lassen. Und jetzt zieht er durch Galiläa und hält dort dieselben aufrührerischen Reden wie Johannes.“
Jesus von Nazaret. Herodes hatte schon von ihm gehört. „Jetzt ist die Stunde Gottes gekommen“, lautete seine Botschaft. „Seine Herrschaft bricht nun an. Kehrt um und ändert euer Leben!“ Wer so von der Herrschaft Gottes redet, der stellt die Herrschaft des Königs in Frage. Das musste ein Ende haben!
„Man sagt, er sammelt Leute um sich“, fuhren die Spione fort. „Nachfolger. Jünger. Die ersten sollen Fischer gewesen sein: Simon, den sie jetzt Petrus nennen: den Fels. Und sein Bruder Andreas. Dieser Jesus hat sie am See Genezaret getroffen. Sie warfen gerade ihre Netze aus. ‚Kommt mit mir!‘ soll er zu ihnen gesagt haben. ‚Ich will euch zeigen, wie ihr Menschen für Gott gewinnen könnt.‘ Man sagt, die beiden hätten sofort ihre Netze liegen gelassen und seien mit ihm gegangen.“
Menschen für Gott gewinnen!? Herodes schüttelte den Kopf. Das hieß doch wohl, sie dem König abspenstig zu machen. Wer Gott mehr gehorcht als den Menschen, der lehnt sich irgendwann gegen alle auf, die Macht über ihn haben. Das durfte er nicht zulassen.
„Auch die nächsten waren Fischer“, berichteten die Spione weiter. „Johannes und Jakobus, die Söhne des Zebedäus. Richtige Draufgänger sollen das sein. Jedenfalls nennt man sie auch die ‚Donnersöhne‘. Sie saßen im Boot und flickten ihre Netze, als Jesus sie ansprach. Auch sie forderte er auf, mit ihm zu gehen. Und auch sie verließen ihr Boot, ihren Vater mit seinen Gehilfen und gingen mit Jesus.“
Das waren keine guten Nachrichten, dachte Herodes. Was hatte dieser Jesus nur an sich, dass die Leute so schnell bereit
waren, alles stehen und liegen zu lassen, um ihm zu folgen? Und wer würden die nächsten sein?

(c) Volkmar Hamp
Aus: Miteinander Gott entdecken. Jahrbuch für Sonntagsschule und Kindergottesdienst 2010, S. 19.